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Reiseführer Nordzypern

Reinhold Lubenau (1588)

"Es hat überaus reiche Leute in der Stadt Famagusta wegen der grossen Handlung von allerlei Waren, so das Land traget. Denn es hat Korn die Fülle, Wein und wie vorgedacht: Baumwolle, Seide,baumwollne Leinwand, Honig, Zucker, Alaun, Salz, Kupfer, auch Smaragden, Perlen und Diamanten, aber vor allen andern Waren die grosse Summe an Baumwolle, dergleichen ich nicht glaub in der Welt so schon mag gefunden werden. Und spinnet Jung und Alt Baumwollgarn, auch auf der Gassen gehende (...) So hat es auch die Menge an schönen Schafen, von welcher Milch die herrlichen cyprischen Käse gemachet werden, welche den Parmesankäsen gleich. Es hat auch gantz wohlthätige, gute Leute in dieser Stadt, die sonderlich dem Fremden gar freundlich und sehr gewogen, gar höflich den Italienern gleich, mehrentheil Christen, doch allerlei Nationen (...)(Ritt nach Nicosia:) ...kamen balde unter ein hohes Gebirge, darunter ritten wir neben hin. Wie es etwa um sieben Uhr war, kamen wir zu einem Brunnen. Daselbst aß der Pascha ein wenig Brot und Knoblauch und trank einen Trunk Wasser; gab mir auch ein Stück Brot. Knoblauch mocht ich nicht essen. Die Esel graseten ein Viertelstunde. Danach setzten wir uns wieder auf und postireten immer fort, wie denn die Türken gewaltig forteilen und es ist zu verwundern, wie das sich solche grosse Herren, wie der Pascha, so fast Königen oder Churfürsten zu vergleichen, mit so geringer Speise und so armselig behelfen, da sonst ein christlicher Potentat auf so einer Reise seine Küche vorausschicken würde und über eine solche Reise wohl zwei oder drey Tage zubringen täte. Sind auch gegen jeden so freundlich und und demütig, dass allda, der mit ihnen reden will, keines Titels oder grosser Ceremonien von Nöten, sondern der Höchste mit dem Niedrigsten wie ein guter Freund mit dem andern redet. Wir kamen nachmittag ungefähr um zwei Uhr in die Stadt Nicosia (...)Es hat viel feiner, breiter Gassen in der Stadt. Es wohnen aber die meisten Türken ausserhalb der Stadt. Da haben sie schöne Gärten von Datteln, Pomerantzen, Citronen, Limonien, auch herrlicheWeinwachs und allerlei Zugenuse (Gemüse)...Es wohnen allhie Griechen, Italianer, Juden und Türken. Die Christen aber sagen, dass sie von den Türken ganz kein Beschwer allhie haben (...) Wir kamen gar zu Abend wiederum in den Port (Larnaca). Ich musste dem Eseltreiber einen Ducaten zahlen. Es ist sich zu verwundern über der Türken geschwinde Expedition, wenn sie etwas zu verrichten haben.Sie können in einer Viertelstunde mehr verrichten als wir Deutschen in acht Tagen und so still und sittsam. Wenn sie reisen wollen, schlafen sich nicht mehr als zwei Stunden und sind schon um Mitternacht auf und zeitig in der Herberge oder im Port. Ihrem Gesinde oder zugegebenem Volk gehen sie alles mit sanftmütigen, guten Worten für. Man höret sie gantz nicht bullern, fluchen oder schelten; strafen sie jemandt, der es verschuldet hat, geschiehts mit wenig Worten und harten Schlägen. Denen sie wohl wollen, sind sie über die Masen freundlich und gewogen und wissen fast kein Ziel und Mas der Gutthetigkeit. Ihren Feinden aber sind sie dagegen desto ernster und tiranisch.(...) Es wohnen meist Italianer, Juden und Griechen, auch Franzosen in der gantzen Insel, gar wenigTürken, und haben die Italianer und Frantzosen an allen Orten in dieser Insel ihre Niederlassungen und Consules, wie auch nunmehr die Engelender und Hollender."

Reinhold Lubenau (1556-1631), ein Apotheker aus Königsberg, hatte sich 1587 einer Gesandtschaft angeschlossen, die im Auftrage des deutschen Kaisers Rudolf II. die jährlich fälligen Tributzahlungen an das Osmanische Reich in Istanbul übergeben sollte. Mit den beschönigend "Präsente" genannten immensen Geldsummen hoffte das Deutsche Reich, sich den Frieden an seiner Südgrenze erkaufen zu können. Während des quälend langen Aufenthalts in Istanbul entluden sich die Spannungen zwischen den Mitgliedern der Delegation in heftigen Auseinandersetzungen, denen sich Lubenau durch Vermittlung des englischen Botschafters entziehen konnte. Der Diplomat quartierte ihn als zahlenden Gast auf einer osmanischen Galeere ein, die unter dem Kommando von Hasan Pasa, des Generalgouverneurs von Algier (eines venezianischen Renegaten), gerade zu einer Inspektionsreise zu den osmanischen Marinebasen im Mittelmeer auslief. Nach dem Besuch zahlloser mediterraner Hafenstädte und anschließender Reise durch Italien, kehrte Lubenau 1589 nach Königsberg zurück, arbeitete wieder in seinem Beruf als Apotheker und diente der Stadt als Ratsherr. In seinen späten Jahren bearbeitete er die Aufzeichnungen seiner europäischen und orientalischen Reiseerlebnisse zu einem sechsbändigen Werk.

W. Sahm hat die Beschreibung der Reisen des Reinhold Lubenau in den Mitteilungen aus der Stadtbibliothek zu Königsberg Pr., Bd. VI(1915) - Bd. VIII(1930) herausgegeben. Bd. VIII sind die obigen Auszüge entnommen.

 



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