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Reiseführer Nordzypern

Das Levantinische Becken

Im Nordosten des Levantinischen Beckens, eingepaßt in die kleinasiatisch-syrische Küstenbiegung, erstreckt sich die Insel Zypern mit ihren markanten Umrissen, die antike Autoren an einen gallischen Schild, ein Rindsfell oder einen Delphin gemahnten, neuere Schreiber eher prosaisch an einen Schinken, eine Hammelkeule denken ließen und noch andere an "ein Blatt im Meer".

Das Levantinische Becken reicht von der vorderasiatischen Küste bis in die kretischen Gewässer. Es geht hier über in das an den italienischen Stiefel heranreichende Ionische Becken. Beide Becken fügen sich mit den nördlich vorgelagerten Randmeeren Adria und Ägäis zum östlichen Hauptbecken des Mittelmeers. Als Trennlinie zwischen östlichem und westlichem Mittelmeer haben Ozeanographen die sog. "Sizilische Schwelle" festgelegt. Diese Unterwasserbarriere steigt zwischen Sizilien und Tunesien auf nur 350 m unter der Wasseroberfläche an.

Das Zypern umgebende Meer ist schon immer von Fischern befahren worden. Ihr Gewerbe deckte nur den lokalen Bedarf, wogegen die Schwammfischerei zeitweise über die Region hinaus Geltung erwarb. Ihre überragende Bedeutung erhielten die zyprischen Gewässer durch die sich hier kreuzenden Seewege, die den Austausch von Waren, Menschen und Weltanschauungen jahrhundertelang beflügelten. Hierüber existiert eine reiche Literatur. Die Erträge der  o z e a n o g r a p h i s c h e n  Erforschung dieses Meeresteils, die uns hier interessieren, sind dagegen weniger leicht zugänglich. Wer weiß schon von der Vorreiterrolle der Österreichisch-Ungarischen-Tiefsee-Expedition, die mit dem Dampfschiff  "Pola" 1892 vor Zypern Tiefenmessungen durchführte und dem Meeresboden Proben entnahm ? Neuere Forschungen haben das seinerzeit noch lückenhafte meereskundliche Wissen nach und nach erweitert und die komplexen Vorgänge in den levantinischen Gewässern entschlüsselt. So hat man noch nicht lange Kenntnis von einem West-Ost-Gefälle des Mittelmeers, einer "schiefen Ebene", wenn man so will, die an ihrem östlichen Ende eine 15 cm niedrigere Pegelhöhe aufweist. Dieses Phänomen ist eine Folge der extrem hohen Verdunstungsrate in den östlichen Breiten. Aber auch in den anderen Bereichen des Mittelmeers wird mehr Wasser verdunstet als durch Flüsse oder Niederschlag zugeführt. Auch wenn ein jährliches Defizit von unvorstellbaren 1.500 Kubikkilometern Wasser die Regel ist, droht das Meer nicht auszutrocknen. Für den Ausgleich sorgt durch die Straße von Gibraltar einströmendes und dem Gefälle folgendes Atlantikwasser, unterstützt von Wasser aus dem Schwarzen Meer, das durch den Zufluß von Donau, Dnjestr, Dnjepr und Don gewissermaßen "überliefe", wenn es nicht den Überschuß durch die Dardanellen in die Ägäis einspeisen würde.

Auf die hohe Verdunstung reagiert das Mittelmeerwasser mit erhöhtem Salzgehalt. Von etwa 34 Promille nahe Gibraltar nimmt der Salinitätswert kontinuierlich nach Osten hin zu und erreicht in Höhe des zyprischen Famagusta mit 39,6 Prom. einen der weltweit höchsten Salzgehalte, nur noch übertroffen vom nördlichen Roten Meer mit 41 Prom. und dem Arabischen Golf (40 Prom.).

Unterschiedliche Salzgehalte bewirken komplizierte Strömungsverhältnisse. So fließt das relativ salzarme, spezifisch leichte Atlantikwasser als Oberflächenwasser von Gibraltar entlang der nordafrikanischen Küste bis in das Levantinische Becken und umrundet Zypern. Eine entgegengesetzte Tiefenströmung trägt stark salzhaltiges, spezifisch schwereres "Levantewasser" in Tiefen zwischen 200 und 500 m über die Sizilische und die Gibraltar-Schwelle in den Atlantik. Diese Hauptströmungen werden im zentralen und westlichen Mittelmeer durch zahllose zirkuläre Strömungen beeinflußt. Eine Durchmischung der verschiedenen "Wasserarten" verhindert die stabile Schichtung. Nährstoffreiches, aber nicht vom Sonnenlicht erreichbares Tiefenwasser (dadurch keine Photosynthese!) verursacht durch seinen Abfluß einen ständigen Nährstoffverlust - Hauptgrund für die relativ bescheidene Produktivität des Mittelmeers. Nicht die V i e l f a l t der marinen Tierwelt ist eingeschränkt, sondern das Potential, hier R i e s e n m e n g e n von Speisefischen wie etwa im Nordatlantik hervorzubringen. Derartige natürliche Gegebenheiten können durch menschlichen Eingriff noch verstärkt werden, wie am Beispiel des Assuan-Staudammes deutlich wird. Vor seiner Fertigstellung (1965) führte der Nil jährlich 140 Mill. t nährstoffreiches Sedimentmaterial mit. Seit der Nilschlamm das Meer nicht mehr erreicht, ist der Fischereiertrag in vielen Teilen des Levantinischen Beckens drastisch zurückgegangen. Auf der andern Seite sorgt der Suez-Kanal für die Einwanderung neuer Organismen in das östliche Mittelmeer. Kürzlich wurden hier 120 neue Fisch- und Krebstierarten aus dem indopazifischen Raum gezählt. Man schätzt die Zahl der Fischarten in Zyperns Küstengewässern auf erstaunliche 217, wovon höchstens vier Dutzend Arten für den Fischfang interessant sind. Die Fischerei spielt sich in der Regel in einer küstennahen Zone ab, die nach etwa 5 km eine Tiefe von 500 m aufweist. Die 1000-m-Marke wird vor Girne erst nach 35 km überschritten, vor Famagusta sind es gar 80 km. Steiler ist der Abfall vor der zyprischen Westküste: nach 10 km sind 1000 m Tiefe erreicht, nach 20 km bereits 2000 m. Der tiefste Punkt des Levantinischen Beckens liegt mit 3300 m südöstlich von Kreta. Das benachbarte Ionische Becken weist mit 5121 m vor der südwestlichen Peloponnes die größte Tiefe des Mittelmeeres überhaupt auf.

Wie schon bei den Lufttemperaturen, bei Verdunstungsrate und Salzgehalt liegt das Levantinische Becken auch bei den Wassertemperaturen über den Werten aller anderen Teilbecken des Mittelmeers. Im Januar/Februar werden um 17 Grad gemessen, im April 19, im August 28 (in Ufernähe bis 30) und im Oktober immer noch an die 24/25 Grad. 

 



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