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Lala Mustafa Pascha ( ? - 1580)
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Zahllose Straßen und Plätze Nordzyperns tragen seinen Namen. Auch Famagustas großartigstes Bauwerk, die in eine Moschee umgewandelte frühere St. Nikolaus-Kathedrale, wurde nach ihm benannt, der hier im Sommer 1571 nach einem der verlustreichsten Feldzüge der frühen Neuzeit die Eroberung Zyperns vollendet hatte. Auf Geheiß des osmanischen Sultans Selim II. (reg. 1566-1574) war Lala Mustafa Pascha Anfang Juli 1570 an der Spitze einer starken Invasionsstreitmacht nahe Larnaca an Land gegangen, um die Insel den Venezianern zu entreißen und in das Osmanische Reich einzugliedern. Limassol und Larnaca waren schnell erobert. Lefkosa, die nur unzureichend verteidigte Inselhauptstadt, fiel nach 51-tägiger Belagerung, Kyrenia (das heutige Girne) ergab sich kampflos. Nur die starke Seefestung Famagusta (Gazi Magusa) mit der Hauptmacht der Verteidiger leistete bis in die heißen Augustwochen 1571 erbitterten Widerstand. Bald nach der Kapitulation der Hafenstadt verließ der siegreiche serdar (Kommandeur) Lala Mustafa Pascha die Insel und begab sich mit kostbaren Geschenken (darunter sollen auch "schöne Sklavinnen" gewesen sein, die dem Herrscher "sehr gefielen") an den Hof Selims in Istanbul. Sein Sieg über die verhaßten Venezianer und die vorausgegangene Ausschaltung einer einflußreichen Antikriegspartei hatte seine Stellung unter den führenden Köpfen des Landes nachhaltig festigen können - das lange angestrebte Amt des Großwesirs (etwa: Premierminister) schien in greifbare Nähe gerückt.
In der nach Lala Mustafa Pascha benannten Moschee in Famagusta Noch
aber bekleidete der große Sokollu Mehmed Pascha diesen höchsten
politischen Posten des Osmanischen Reiches. Wie Sokollu stammte Mustafa
Pascha aus Bosnien. Seine Laufbahn im Gespinst höfischer Intrigen, an
denen er eifrig mitwirkte, ohne so recht Nutzen daraus ziehen zu können,
machte ihn zeitweise zum Prinzenerzieher, dann zum Gouverneur von
Damaskus, 1569 schließlich zum Kommandeur einer Streitmacht gegen die
Aufständischen im Jemen. Auf Betreiben seines langjährigen Rivalen
Sinan Pascha wurde ihm das Kommando wieder entzogen. Der drohenden
Hinrichtung entging er allein durch die energische Intervention seines
Sultans, der Mustafa Pascha Anfang 1570 mit der Eroberung Zyperns, des
letzten venezianischen Stützpunktes in den osmanischen Gewässern,
betraute. Noch ehe das zusammengeschmolzene Häuflein der venezianischen Verteidiger Famagustas die Waffen streckte, ließ der Sieger schon erste Vorkehrungen zum Aufbau einer zivilen Verwaltung treffen. Wie bei neueroberten Territorien üblich, erhielt auch Zypern ein Grundbuch- und Katasteramt (defter emenligi) sowie ein Lehnsamt (timar tezkireciligi). Ein Kämmerer (defterdar) wurde in sein Amt eingesetzt, gefolgt von zehn Richtern (kadi) und einem Oberrichter. Mit Muzaffer Pascha, dem früheren Gouverneur des Sancaks Avlonya, trat ein tatkräftiger Generalgouverneur an die Spitze der neugeschaffenen zyprischen Verwaltung. Die
Art, wie Lala Mustafa Pascha neue Machtstrukturen durchsetzte und dem
verwüsteten Land eine Nachkriegsperspektive gab, fand am Hof in
Istanbul und unter zeitgenössischen Beobachtern Anerkennung. Seine
unbestreitbaren Verdienste wurden freilich von einem Vorfall
überschattet, der
in der gesamten Christenheit einhellige Empörung auslöste: die
grausame Exekution des venezianischen Oberbefehlshabers Antonio
Bragadino und elf seiner Mitstreiter nach der Kapitulation. Wortbruch,
Geiselmord, provokatives Verhalten - wie berechtigt die Vorwürfe des
Siegers von Famagusta auch gewesen sein mögen, seine Reaktion war maßlos
und selbst die an entsetzliche Kriegsgreuel gewöhnten Zeitgenossen
verschlug es die Sprache. Etwas Licht in diese düstere Episode bringt
der Historiker Gelibolulu Mustafa Ali, der als Schreiber und Sekretär
lange Jahre in Diensten des umstrittenen "Kibris Fatihi" (Eroberer
von Zypern) stand. Von ihm erfahren wir über die "kämpferische
Veranlagung und das heroische Temperament" des Mustafa Pascha und die
Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit, die ihn zu einem fähigen
Soldaten machte, dabei ein erhebliches Maß an Intriganz, Rücksichtslosigkeit
und Grausamkeit freisetzend. Obendrein, so Ali, sei er habgierig gewesen
und besessen von der Idee, den berühmten Sokollu bzw. dessen Nachfolger
im Amt des Großwesirs zu beerben. Nach dem Tode des Großwesirs Ahmed
"glaubte er sich endlich an dem seit vierzig Jahren sich
vorgesteckten Ziele seines Ehrgeitzes als Grosswesir; aber die lange
durch Verbrechen und Grausamkeit wie durch Tapferkeit und Klugheit
gekittete Hoffnung ward schmerzlich getäuscht, indem das Siegel des
Reiches dem soeben nach Georgien im Marsch begriffenen Sinan Pascha
zugesendet ward...", notierte Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall
in seiner berühmten "Geschichte des Osmanischen Reiches" (1827/32).
Wieder war ihm der ewige Nebenbuhler um Macht und Kriegsruhm
zuvorgekommen, brachte ihn gar um die Früchte des siegreichen Feldzuges
gegen die Perser in Georgien (1578/80), als er seine Ablösung
durchsetzen konnte. Lala Mustafas Niederlagen im höfischen Intrigenspiel blieben nicht folgenlos. Der tiefgläubige Muslim, Mitglied des Ordens der "Tanzenden Derwische" und Stifter frommer Einrichtungen, begann an sich zu zweifeln. "Es starb der Schinder Bragadino´s sey es aus blossem Gram, sey es, wie europäische gleichzeitige Berichterstatter melden, an Selbstvergiftung", so von Hammer-Purgstall, "...wiewohl die erste angegebene Ursache, dass er zu viele Melonen gegessen, Scherbet (Sorbet) darauf getrunken, sammt seinem hohen Alter genügende Ursache des Todes." |