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Reiseführer Nordzypern

Vorposten der Kreuzfahrer

Allein die Tatsache, dass Zypern an der Route der Kreuzfahrer lag, musste die Insel früher oder später dem Zugriff der streitbaren Jerusalemfahrer aussetzen. Als im Frühjahr 1191 erstmals Kreuzfahrer unter Waffen die Insel betraten, nahm es sich auf den ersten Blick wie ein Missgeschick aus, hatte doch ein Sturm Flotteneinheiten des 3. Kreuzzuges an das Südufer Zyperns geworfen, darunter das Schiff mit Berengaria von Navarra, der Braut des englischen Königs Richard I.


Der britische Monarch, dem die an seinem Hof in Poitiers versammelten Troubadoure den Richard Löwenherzschmeichelhaften Beinamen Coeur de Lion (Löwenherz, s. Abbildung) gegeben hatten, war neben Frankreichs König Philip II. August und dem deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa einer der Anführer des Kreuzzuges. Er erreichte gerade noch rechtzeitig die Insel, um einen Angriff von Truppen des Isaak Doukas Komnenos auf die gestrandete Vorhut abzuwehren. Richard ließ in aller Eile seine Soldaten an Land setzen, den Despoten jagen, in Ketten legen und die Insel dauerhaft besetzen, was über eine einfache Strafaktion weit hinausging und das Zypernunternehmen in einem anderen Licht erscheinen lässt. Der König nahm sich noch die Zeit, seine Braut Berengaria in Limassol vor den Traualtar zu führen und verließ dann eilends im Juni 1191 Zypern in Richtung Heiliges Land, nicht ohne seinen Justitiar in England davon in Kenntnis gesetzt zu haben, dass "wir die Insel mit all ihren Versorgungsgütern erobert haben", wie in den Epistolae Cantuarienses nachzulesen ist. Die Bedeutung Zyperns als Versorgungsbasis der Kreuzfahrer im Heiligen Land wird auch im Itinerarium Peregrinorum et Gesta Regis Ricardi herausgestellt: "In Zypern stationierte der König fähige und kampfstarke Männer, die ihm den notwendigen Proviant hinüberschickten, darunter Weizen und Gerste und allerlei Fleisch, wovon Zypern im Überfluss hatte." Die Insel zu unterwerfen, sei für das Wohl des Landes Jerusalem von überragender Bedeutung.


Mit der Entmachtung des zyprischen Despoten Isaak Doukas Komnenos, den Richard Löwenherz in der Burg Magat an der syrischen Küste, bewacht von Johanniterrittern, festsetzte, wurde die Insel für immer dem Einfluss byzantinischer Herrscher entzogen. Doch Englands König als neuer Machthaber war in einer prekären Situation: seine Kassen waren leer, die militärischen Ressourcen erschöpft. Das Interesse des Templerordens an Zypern kam da gerade recht. Für 100.000 Golddinare (das entsprach etwa 425 kg reinen Goldes) wechselte die Insel - die Lehnsoberhoheit blieb bei Richard - im Juli 1191 den Besitzer. Die Ordensritter brachten 40.000 Dinare auf, die Restschuld sollte aus den Steuereinnahmen beglichen werden. Gegen die nun prompt einsetzende massive Ausplünderung der Insel revoltierte die Bevölkerung, der Orden blies zum Rückzug - Zypern stand erneut zum Verkauf.

Eine neue Dynastie

Bei der Eroberung Zyperns war dem englischen König sein langjähriger Lehnsmann Guy (Guido) de Lusignan, ein glückloser Haudegen und entmachteter König, zu Hilfe geeilt. 1192 übereignete Richard seinem angeschlagenen Gefolgsmann und König ohne Land die Insel als Kompensation für das verlorene Jerusalem.
Die Übernahme der Macht durch das Haus Lusignan war ein folgenreiches, dabei unerwartet langlebiges Nebenprodukt der Kreuzzugsbewegung. Mit Zypern, nunmehr selbst ein Teil der Kreuzfahrerwelt, vermochte diese sich eine unentbehrliche Versorgungsbasis und einen wichtigen militärischen Vorposten auf dem Weg in den umkämpften syrisch-palästinensischen Raum zu sichern. Die enge Verflochtenheit der Insel mit dem Milieu militanter Kreuzfahrer, ihrer brüchigen Staatsgebilde und unaufhörlichen Kriege, ihrem kurzen Glanz und langer Agonie, ist der Schlüssel zum Verständnis des komplexen Geschehens während der Herrschaft der Lusignans.

Kreuzfahrerschiff

Kreuzfahrer auf dem Weg
nach Palästina

Ende des 11. Jahrhunderts hatte die erste Kreuzfahrergeneration entlang der levantinischen Küste und weit ins Binnenland inmitten muslimischen Territoriums feudalistische Besitztümer nach westeuropäischem Muster errichtet. Am Oberlauf des Euphrat war es die Grafschaft Edessa, daran schlossen sich südlich das Fürstentum Antiochia an sowie die Grafschaft Tripolis und das Königreich Jerusalem. Es waren instabile Gebilde, die im Westen an das Mittelmeer grenzten und im Osten gegen die muslimischen Besitzungen von Homs, Mossul, Aleppo, Hamah und Damaskus eine Grenze verteidigten, die sich in der Wüste verlor. Ihre ruinösen Interessenkonflikte und bizarren Prestigestreitigkeiten, die sie ruhm- und prunksüchtig als nicht enden wollendes Ritterspektakel inszenierten, vermengten sich mit den wirtschaftlichen und politischen Ambitionen europäischer Mächte, die hier, am Ende des östlichen Mittelmeeres, Nebenkriegsschauplätze eröffneten, zu einem brisanten Spannungsfeld.

Kreuzfahrer

Kreuzfahrer und Sarazenen im Kampf

 



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