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Reiseführer Nordzypern

Isaak Doukas Komnenos (1155-1195)

War er nun das Ungeheuer, von dem mittelalterliche Chronisten mit Schaudern berichten? Oder ist seine Lebensgeschichte nur besser dokumentiert als die anderer Despoten seiner Zeit, einfach deshalb, weil Englands illustrer König Richard I. Löwenherz seinen Weg kreuzte? Zu bedenken ist auch: Es war eine Zeit wüster Exzesse, als ein Menschenleben nichts galt, Wort- und Vertragsbruch an der Tagesordnung waren, Fürstentöchter aus purer Machtgier schon im Kindesalter zwangsverheiratet wurden, fortwährend Lösegeld aufzubringen war, um geraubte Familienmitglieder freizukaufen, es als rühmenswert galt, in fremde Länder einzufallen, wo zu guter Letzt dem Eindringling reiche Beute in den Schoß fallen würde.
Während man sich im fernen Westen daran machte, die Pflichten und klassischen Tugenden eines vollkommenen Ritters zu kodifizieren, was den sozialen Frieden freilich kaum beförderte und zum schlechten Ende hin in blankes Raubrittertum abglitt, hatten in Nahost Strauchritter durchgängig Konjunktur. Ruhm- und Prunksucht, Habgier, Gewalt und unvorstellbare Grausamkeit regierten.


Genug Anschauungsmaterial bot allein schon der byzantinische Hof, von dem Isaak Doukas Komnenos (Kaiser Manuel I. war sein Großonkel) lernen konnte, wie man Macht errang und sie erfolgreich verteidigte. Wären nicht viele Kaiser vorübergehend oder lebenslänglich in ein Kloster geflüchtet, hätten sie vermutlich die Zahl derer vergrößert, die ein grausames Ende fanden. Jeder dritte byzantinische Kaiser wurde erwürgt oder vergiftet, enthauptet oder erdolcht. Und als Isaak Doukas Komnenos (im folgenden IDK) sich schon in Zypern festgesetzt hatte, wird er von dem gerade aktuellen Kaisermord erfahren haben, als Andronikos I. Komnenos, den man nicht ohne Grund den "Tyrannen" nannte, den minderjährigen Thronfolger und weitere Familienmitglieder ermorden ließ, dann selbst gestürzt und unter Martern hingerichtet wurde.

Werdegang eines Despoten

Als er neunzehn oder zwanzig Jahre alt war, heiratete Isaak eine Tochter des "Seigneur de la Montagne", jenes Thoros II., der 1156 gemeinsam mit Rainald von Chatillon Zypern überfallen und verwüstet hatte. Etwa zur gleichen Zeit betraute ihn sein Großonkel Manuel I. mit dem Gouverneursposten von Kilikien, wo byzantinische und kleinarmenische Interessen aufeinanderprallten. IDK geriet in die Gefangenschaft der Armenier, die ihn bis 1182 festhielten und dann an den Fürsten Bohemund III. von Antiochia, eine wichtige Figur der Kreuzfahrerstaaten, weiterverschacherten. Jetzt waren die guten Dienste seiner Tante Theodora gefragt. Ihr gelang es, dem oben erwähnten Tyrannen im Kaisergewand, Andronikos I. Komnenos, die Erlaubnis abzuringen, 60.000 Bézants (byz. Goldmünzen) aus dem Steueraufkommen Zyperns für den Freikauf des IDK zu verwenden. Nachdem Bohemund die erste Hälfte erhalten hatte, ließ er IDK nach Zypern ziehen, um die zweite Hälfte zu beschaffen.


Was nun geschah, ist umstritten. Verlief alles legal? Stützte sich die überraschende Machtergreifung in Zypern auf "saubere" Papiere? Oder waren die Dokumente, die ihn als neuen Gouverneur auswiesen, gefälscht? Jedenfalls nannte er sich spätestens seit 1184 "Despot" und im Wechsel auch "Kaiser", betonte die Unabhängigkeit Zyperns unter seiner Führung, ließ Kupfermünzen prägen, die ihn im kaiserlichen Ornat zeigten mit der Aufschrift "Isaakios Despotes o Doukas". Zugleich errichtete er seine von vielen Zeitgenossen in bewegenden Worten bezeugte Schreckensherrschaft.


Dass dies alles nicht im Sinne der byzantinischen Führung sein konnte, zeigte sich spätestens 1186, als Kaiser Isaak II. Angelos starke Truppenverbände nach Zypern in Marsch setzte, um die Insel für das Reich zurückzuerobern. Doch IDK rieb die an Land gesetzten Kräfte auf und sein Komplize und Schwager, der sizilianische Admiral spanischer Herkunft, Margaritone, brachte der Flotte eine verheerende Niederlage bei.

Kaiserjagd

Aus der Sicht der Reichsführung zählte IDK zu einer Clique ehrgeiziger Aristokraten, die die Schwäche des byzantinischen Staates zu nutzen verstanden, um Territorien aus dem morschen Staatsverband herauszubrechen und zu quasi unabhängigen Herrschaften zu machen. Den "lateinischen" Westen berührten diese innerbyzantinischen Angelegenheiten wenig, dafür erhob man hier den schwerwiegenden Vorwurf, IDK habe sich mit dem "Erzfeind" aller gen Jerusalem strömenden Wallfahrer und Christenheere, dem gefürchteten Sultan Saladin, gegen die lateinische Christenheit verschworen.


Erklärt das die wütende Entschlossenheit, mit der Englands König Richard I. Löwenherz die Entmachtung des Usurpators betrieb? Jedenfalls mobilisierte er alle militärischen Kräfte, als er Anfang Mai 1191 zyprischen Boden betrat und vom Angriff des IDK auf gestrandete Schiffe seiner Flotte erfuhr. Er jagte den selbsternannten Kaiser über die Insel, der fintenreich einen Waffenstillstand erreichte, wohltönende Versprechungen abgab, Zeit herausschlug, um dann alle Abmachungen zu brechen, Flucht und Kampf wieder aufzunehmen. Derweil entdeckten Richards Truppen in der Burg von Kyrenia (türk. Girne) die Tochter des IDK und seine zweite Frau, eine illegitime Tochter des sizilianischen Normannenkönigs Wilhelm I. Nur wenig später wurde er selbst aus einer der Bergburgen des Pentadaktylos hervorgezerrt, wobei er seine Kapitulation von der bizarren Bedingung abhängig machte, nur nicht in Eisenketten gelegt zu werden. Die Engländer ließen sich auf das absurde Spiel ein, steckten ihn in silberne Hand- und Fußfesseln und so in Edelmetall gehüllt, brachten sie ihn hinüber nach Akkon und dann in die syrische Festung Margat, wo sich Johanniterritter seiner annahmen.
1194 wurde er freigelassen und begann sein Intrigenspiel von neuem. Seine Operationsbasis war Ikonion, heute türk. Konya. Von hier aus hetzte er byzantinische Oppositionelle und türkische Emire gegen Byzanz` Kaiser Alexios III. auf. Doch der war auf der Hut und reagierte schnell und effektiv: 1195 erlag IDK einem Giftanschlag. Sein eigener Mundschenk war der Täter.

 



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