DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Reiseführer Nordzypern

Kleides

"Mit den Schiffen aber fuhren die Phöniker um die Spitze von Kypros, die den Namen die Schlüssel trägt", schreibt Herodot in seinem Kapitel über die persische Rückeroberung Zyperns. Die vorgelagerten Inselchen als "Schlüssel von Zypern", den zu viele Mächte hier ungebeten in die Hand nahmen, als Einladung auffassten und der Insel ihre Herrschaft aufzwangen . . .

Die äußerste Spitze der Karpaz-Halbinsel (Zafer Burnu)  mit den vorgelagerten Inselchen (Kleides)

Die äußerste Spitze der Karpaz-Halbinsel (Zafer Burnu)
mit den vorgelagerten Inselchen (Kleides)

"Die Kleides, d.h. die Schlüssel, sind zwei vor Kypros auf der östlichen Seite liegende und vom Pyramos 700 Stadien entfernte Inselchen", notierte der griechische Historiker und Geograph Strabon im 5. Abschnitt des 14. Buches seiner "Geographika" und Plinius zählte vier Inseln, was den Widerspruch des Engländers Richard Pococke hervorrief, der 1738 in seiner "Beschreibung des Morgenlandes" (deutsch: 1791) monierte: "Die Schriftsteller kommen in ihrer Anzahl nicht überein. Dieienigen, die nur von zweien reden, haben vermutlich blos die beiden grössesten der Bemerkung würdig erachtet. Zwei andere sehen nur Felsen ähnlich, und die entfernteste derselben lieget kaum eine Meile vom Lande, die andere . . ." (etc.)


Wie so oft in zyprischen Angelegenheiten, sorgt der Geograph Eugen Oberhummer in seinem Klassiker "Die Insel Cypern" für Klarheit (oder doch fast): "Tatsächlich ist es eine Gruppe von etwa 10 Inselchen und Klippen (in Wirklichkeit sind es neun), zwischen denen der Meeresboden nirgends über 50 m zu sinken scheint. Die weitaus größte derselben, jetzt Kastellatzo genannt, ist fast einen km lang und einen halben km breit und enthält süßes Wasser, ist aber, wie wohl auch im Altertum, unbewohnt."

Schiffsfriedhof

An den kleinen und großen Felsbrocken, die bedeckt mit verdorrtem Gras und verkrüppeltem Gestrüpp sich nach Osten verstreuen und so die Landspitze verlängern, sind nicht wenige antike Segler zerschellt. Seit Jahrzehnten ist Kastellatzo mit einem Leuchtturm bestückt, doch früher war eine Orientierung fast reine Glückssache, denn "eine lodernde Fackel auf einer Veranda über dem Meer (am Andreas-Kloster) diente als Leuchtfeuer für Schiffe und als Orientierungspunkt für Landreisende", wie Esmè Scott-Stevenson 1880 notierte. Selbst noch in unserer Zeit zeigen die Gewässer der Karpaz-Halbinsel ihre Unberechenbarkeit, so 1972, als der unter liberianischer Flagge fahrende Frachter "Città di Alessandria" in Küstennähe versank und in mehrere Teile zerbrach, die nicht tiefer als 15 m liegen - für Taucheleven ein sicheres Übungsobjekt und auch für Langzeit-Tauchgänge sehr attraktiv. Ob der österreichische Dampfer noch aufzuspüren ist, der im letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, als das Alpenland noch stolze Seemacht war, auf den Strand gesetzt wurde? Das Unglücksschiff war mit 1.200 Tscherkessen an Bord von Istanbul nach einem kleinasiatischen Hafen unterwegs, als "unter der wilden Auswandererhorde eine Meuterei ausbrach und der 1. Offizier mit dem Tode bedroht wurde. Der Kapitän rannte deshalb das Schiff ans Land und hieß den Heizer die Kessel in die Luft zu sprengen".


Das Seegebiet mit den vorgelagerten Inselchen am Kap Andreas, das die türkischen Zyprer "Zafer Burnu" nennen, birgt noch weitere Überraschungen. Auf einem 1 km breiten Streifen von der Kapspitze bis jenseits der Inselkette mit Wassertiefen nicht unter 50 m ziehen sich unterseeische Felsformationen hin, wiegen sich Seegraswiesen in der Dünung, unterbrochen von Sandflächen und Geröllfeldern. Nicht weniger als zehn archäologische Fundorte wurden in diesem Areal lokalisiert. Vier von ihnen sollen Wrackfriedhöfe sein, die anderen zeigen über Bord gefallenes oder versenktes Gut. Steinanker und auch solche aus Blei und Eisen wurden hier entdeckt, dazu große Mengen an Ziegeln, Fragmente von Terrakotta-Särgen, Glasgefäße, Amphoren. In das 5. vorchristliche Jahrhundert sind die ältesten Fundstücke zu datieren, die jüngeren stammen aus früh- bis mittelbyzantinischer Zeit.

 



Reiseveranstalter Nordzypern




 

Twitter
RSS