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Reiseführer Nordzypern

Als noch Kamelkarawanen die Insel durchzogen

"Die Kamele mit ihren oft schwarzen Treibern und die von den Türken besonders gern gepflegten Palmen, Bananen und Sykomoren mahnen uns gleich beim Betreten der Insel an die Mittelstellung, die Cypern am östlichen Mittelmeerende zwischen den drei Erdteilen der alten Welt einnimmt...",

notierte Max Ohnefalsch-Richter 1891 in der "Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik" und Lawrence Durrell zeichnete in den fünfziger Jahren in "Bittere Limonen" dieses stimmungsvolle Bild einer nächtlichen Begegnung :

"Wir kamen an einem Kamelzug vorbei, der unbeholfen unter den Johannisbrotbäumen die Straße entlangschlingerte. Die Tiere waren mit Kornsäcken beladen, auf denen schlafende Männer saßen, die im Mondlicht gen Nicosia schaukelten. Einen Augenblick lang geriet das weiche Tappen der Sohlen und das Seufzen der Jungtiere in unseren Hörbereich und lag über dem wespenhaften Summen des Motors und dem Zischen des Windes an den Scheiben. Dann wurden die Laute verschluckt und wir fuhren ins Tal hinab..."

1903 hielt der Geograph Eugen Oberhummer in seiner noch immer lesenswerten landeskundlichen Studie "Die Insel Cypern" fest :

"Mich selbst hat kaum ein anderer Zug im Landschaftsbild der Insel so sehr an deren geographische Zugehörigkeit zu Asien gemahnt, als die langen Züge von Kamelen, denen man in der großen Ebene begegnet. Als Lasttiere, besonders für den Getreidetransport, werden sie dort wohl so lange unentbehrlich bleiben, als nicht die längst ersehnte Eisenbahn eine Umgestaltung der Verkehrsverhältnisse mit sich bringt..."

 Doch die "ersehnte Eisenbahn", die 1905 ihren Betrieb aufnahm, konnte die Karawanen der genügsamen Lasttiere nicht verdrängen. Erst Anfang der sechziger Jahre, als eine Motorisierungswelle die Insel erfaßte, gaben die letzten Kameleigner auf. Mit einer Tagesleistung von etwa zwanzig englischen Meilen (ca. 33 km) und einer Last von "nur" 250-300 Oka (etwa sechs Zentner) -die zyprischen Kamele waren von etwas kleinerem Wuchs als die des Festlandes und daher weniger belastbar- waren sie im Transportgewerbe nicht mehr konkurrenzfähig.

In früheren Jahrhunderten wurden bis zu 2.500 Kamele als Lasttiere eingesetzt. 1931 waren es noch 1465, 1946 wurden 821 gezählt, 1954 noch 300 und 1960 war ihre Zahl auf 100 geschrumpft. Auffallend war die stark differierende regionale Verteilung der Kamele. So waren nach einer Aufstellung des "Cyprus Blue Book" für das Jahr 1900/01 im Distrikt Famagusta 735 Kamele registriert, dagegen im Distrikt Paphos nur 23. Diese Eigentümlichkeit erklärt sich aus der Natur des Kamels, das als typisches Flachlandtier in der weiten Ebene um Famagusta und Nicosia effektiv einsetzbar war, während in den überwiegend bergigen Regionen um Paphos, Limassol und Kyrenia (Girne) das trittsichere Maultier dem Kamel vorgezogen wurde. Wann das Kamel in Zypern heimisch wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Es könnte während der Kreuzzüge geschehen sein, wahrscheinlicher aber ist der Zeitraum 7.-10. Jahrhundert, als die Insel wiederholt arabischer Stützpunkt war.

Die älteste schriftliche Quelle für die Existenz von Kamelen auf Zypern stammt von dem westfälischen Jerusalempilger Ludolf von Sudheim, der 1336 seine Fahrt ins Heilige Land in Zypern unterbrach. In seinem Reisetagebuch "De itinere terrae sanctae" notierte er die Beobachtung, daß die zyprischen Adeligen bei ihren pompösen Jagden.

"...in Wald und Feld in ihren Zelten schlafen und alles Notwendige und die Lebensmittel auf Kamelen mit sich führen."

 



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