Die bei unserem Rundgang
gesichteten Innenhofhaustypen ähneln den in der westlichen und
südlichen Türkei weit verbreiteten Wohnhäusern. Die
türkischen Vorbilder und ihre zyprischen Abwandlungen haben sich
aus Hausformen altorientalischer Gesellschaften und solchen aus klassischer
Zeit (Atriumhaus!) entwickelt.

Teilrestaurierte Gasse in Lefkosa
Das osmanische Hofhaus verkörperte das in der (alten) türkischen
Gesellschaft stark ausgeprägte Bedürfnis nach Privatheit,
nach Abschirmung der familiären Sphäre, einem Erbe, das
in religiös begründeten Traditionen und sozialen Konventionen
wurzelt. Es sind drei, je nach Jahreszeit in den Mittelpunkt des häuslichen
Lebens rückende Bereiche, die dem Hofhaus den Charakter einer
ruhigen Insel verleihen, eines von der Außenwelt unberührten
Refugiums: zunächst die geschlossenen Räume, dann der halb
offene und überdachte Hausbereich und schließlich der durch
eine Mauer zum öffentlichen Straßenraum hin abgeschlossene
Innenhof. Mit seinen Büschen, Bäumen und dem Brunnen, gelegentlich
auch Gemüsebeeten, war der Hof die "grüne Lunge"
des Hauses. Er brachte Licht und frische Luft in Dielen und Räume,
schaffte Bewegungsfreiheit, hier konnte man sich die Füße
vertreten, im Schatten der Bäume beim Plätschern des Brunnens
entspannen.