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Chronik
Es wird sich wohl
nie mit letzter Gewißheit klären lassen, ob der hl. Hilarion
(288-371), einer der Begründer des christlichen Mönchwesens
im Orient, diesem Ort seinen Namen gab. Das jedenfalls wird in einer
dem Hieronymus zugeschriebenen Biographie des Einsiedlermönchs
berichtet. Die aus jener Zeit überlieferten Nachrichten erzählen
vage von einem kleinen Kloster, das um das Grab des heiligen Mannes
errichtet worden sei.
Um 1100 ließ der byzantinische Gouverneur Zyperns auf Anweisung
Kaiser Alexios` I. im fernen Konstantinopel das Kloster auflösen
und das Gelände mit Wehranlagen befestigen. So erhielten die Statthalter
der byzantinischen Zentralgewalt auf Zypern einen sicheren Fluchtort,
sollte ihnen Gefahr von äußeren Feinden oder aufsässigen
Rivalen drohen. 1191 stand freilich mit Richard Löwenherz, einem
der Anführer des 3. Kreuzzugs, ein überlegener Gegner im Land,
der mühelos St. Hilarion und alle anderen befestigten Plätze
einnahm und das fränkische Zeitalter Zyperns begründete.
St. Hilarion stand vier Jahre (1228-1232) im Mittelpunkt eines verlustreichen
Bürgerkriegs zwischen den kaisertreuen Befürwortern des Lehnsvertrages
mit dem Deutschen Reich der Staufer-Dynastie und deren Gegnern, den
nach Unabhängigkeit strebenden Baronen um den minderjährigen
König Henri I. de Lusignan. Das zyprische Zwischenspiel des deutschen
Kaiserhauses führte in eine militärische Niederlage und bedeutete
das Ende der weit über Zypern hinausreichenden Orientpläne
der Staufer. Bis zu den Kämpfen mit genuesischen Eindringlingen
im 14. Jahrhundert, die noch einmal die militärische Bedeutung
St. Hilarions unter Beweis stellten, blieb der Burg eine lange Zeitspanne
von annähernd hundertvierzig halbwegs friedfertigen Jahren, in
denen sie erweitert und komfortabel ausgestattet wurde. Das Königshaus
der Lusignans nutzte die Bergfeste nun als kühle Sommerresidenz,
als Bühne ihres unablässigen höfischen Intrigenspiels
und luxuriösen Müßiggangs unter südlicher Sonne.
Sie wurde zum Schauplatz glanzvoller Jagdgesellschaften und ihre spektakulären
Ritterturniere hätten an jeder europäischen Residenz Furore
gemacht.
Doch die Zeitenwende kündigte sich schon an. Neue Machthaber, die
Abgesandten der Signoria vom Lido, hielten seit 1489 das Heft in der
Hand. Fixiert auf Zyperns Landesprodukte und Handelsplätze und
damit zusammenhängende Sicherheitsüberlegungen, machten sich
Venedigs Statthalter daran, die Verteidigung ihrer gerade erworbenen
Kolonie nach neuzeitlichen Gesichtspunkten zu reorganisieren. Das verlangte
nach einem Umbau der Flachland- und Küstenburgen zu modernen, artilleriegestützten
Bastionärsfestungen. St. Hilarion und die anderen Bergburgen hatten
ausgedient und wurden vorsichtshalber geschleift, war man doch der Loyalität
der unterdrückten Einheimischen nicht sicher . . .
Die Natur holte sich das Terrain zurück, nach und nach gerieten
die Burgen in Vergessenheit.
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