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Reiseführer Nordzypern

Abgewehrt - wie die Genuesen 1374
an Girnes Burg scheiterten

In seiner aufschlußreichen Chronik "Bericht vom lieblichen Lande Zypern" erzählt   Leontios Machairas (ca. 1360 bis ca. 1432) von dem vergeblichen Bemühen der Genuesen, sich der Burg von Kyrenia (Girne) zu bemächtigen. Die mit modernsten Kampfgeräten angerückten Italiener mußten vor der überlegten Verteidigungsstrategie der Burgbesatzung zurückweichen und ihr Ziel aufgeben, an der Nordküste Fuß zu fassen. Machairas schildert die Ereignisse des März 1374, einem Höhepunkt in der  langjährigen Auseinandersetzung zwischen Venedig und Genua um politischen Einfluß und Handelsvorteile auf Zypern, in volkstümlicher Sprache und im Dialekt seiner Zeit. So ist die Chronik neben ihrer Bedeutung als Geschichtswerk zugleich eines der frühesten Zeugnisse neugriechischer Volksprosa.

"Und auf einmal begannen sie den Angriff. Neben drei weiteren Kampfgeräten, wuchteten sie einen dreistöckigen Belagerungsturm heran, mit Kampfplattformen eine über der anderen. Auf der mittleren Plattform war ein Rammbock aufgestellt, der eine Bresche in die Mauer schlagen sollte. Von der nächsten Plattform schoß eine große Gruppe von Bogenschützen Pfeile auf die Verteidiger, so dass die Männer am Rammbock sich unbehindert an den Mauerdurchbruch machen konnten. Diese Plattform erreichte die Höhe der Kampfgalerie der Burgverteidiger und die Kämpfer auf der obersten Plattform hatten sogar freies Blickfeld in das Burginnere. Und diesen Turm nannten sie die "Katze", während der zweite Turm den Namen "Falke" trug. Auch dieser war aus Holz, mit vielen Männern besetzt, die über Leitern die Mauer erklimmen sollten. Und die dritte Vorrichtung war ein Korb, angebracht am Ende eines Balkens, darin Männer mit Pfeil und Bogen standen, die nun heftig die Burg beschossen. Der kriegserfahrene Burgkommandant schickte sechs bulgarische Söldner mit Feuer aus der Burg und sie brannten den "Falken" und den Korb nieder. Der zuerst genannte Turm wurde schon mit dem ersten Geschoß einer der drei Steinschleudern umgeworfen und dann in Stücke zerschmettert von den Steinen, die man von der Burg herunterwarf. Und all die Männer, die darinnen waren, kamen zu Tode. Die zweite Steinschleuder beschoß nun jene Kampfgaleere, die die eiserne Hafenkette durchbrochen hatte und die dritte Steinschleuder nahm die Feinde auf der Landseite unter Beschuß. Und auf der Seeseite bauten sie (die Genuesen) auf zwei Galeeren eine Vorrichtung in folgender Weise: sie vertäuten zwei Galeeren Seite an Seite und befestigten an ihren Masten einen Querbaum, an dem sie einen Balken senkrecht anbrachten. Am oberen Ende dieses Balkens verzurrten sie eine wohl gesicherte Plattform für einen Trupp Bogenschützen, die heftig zu schießen begannen. Darauf ließ der Burgkommandant einen hölzernen Schutzschirm zimmern, so dass den Angreifern Sicht und Schußfeld versperrt wurden...und dann dieses Gottesurteil: ein Geschoß traf diese Galeerenplattform und schleuderte sie in die See. Und die Genuesen flohen als Verlierer und in Schande . . ."

 



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