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Famagusta

Martinengo-Bastion

Die einer Speerspitze gleich aus der Stadtbefestigung hervorstechende Bastion war unter architektonischem Blickwinkel Schlusspunkt einer Entwicklung, die bis Ende des 18. Jahrhunderts unübertroffen blieb. Der heute wieder zugängliche Wehrbau, ein akkurat angelegtes Steingebirge von unglaublicher Wehrhaftigkeit, beeindruckt allein schon durch seine schiere Größe. Ercole Martinengo, der Ingenieur aus Brescia, der die von Giovanni Girolamo Sanmichele angeregten Arbeiten ausführte und der Bastion den Namen gab, ließ Facen (Seiten) von 95 bzw. 85 m Länge errichten mit Mauerstärken bis zu 6 m.

Martinengo-Bastion Famagusta
1 Face / 2 Flanke / 3 „Ohren“ / 4 Geschützstellungen /
5 Kanonenrampen / 6 Niedergänge / 7 Rauchabzugskamine

Im Grunde ist die ganze Anlage eine riesige überwölbte Kasematte, von der geschützte Gänge in alle Richtungen ausgehen, nach unten auf das Grabenniveau, zu den diversen Geschützkammern, nach oben auf die Plattform. Das Prinzip der „batterie casamattate“, also gegen feindlichen Beschuss in sicheren Räumen aufgestellte Geschütze, wurde hier beispielhaft verwirklicht. Aber auch die Bedienungsmannschaften sollten davon profitieren, wollte man doch die sonst üblichen Verluste durch Geschosssplitter und „griechisches Feuer“ (was die Osmanen mit verheerender Wirkung einsetzten) vermeiden.

„Orecchioni“ und „Spiragli“

War beim Ausbau der Südwestbastion an Girnes Seefestung noch auf „orecchioni” (Ohren) verzichtet worden, sollte diese höchst wirkungsvolle bauliche Erweiterung an der Martinengo-Bastion nicht fehlen. „Ohren“ wurden durch eine eckige (wie hier) oder bogenförmige Verlängerung (wie bei den Bastionen von Nicosia) der Facen gebildet. Sie verhinderten seitliches Feuer auf die in den Flanken aufgestellte Artillerie.
Auch bei der Ableitung des Pulverqualms ging man neue Wege. Teilweise wurden die Kanonen in nach oben offenen Kammern platziert. Wo das nicht möglich war, sorgten Rauchabzugskamine („spiragli“) für die Entlüftung der Kammern.
Breite Kanonenrampen führen auf die Ebene der Geschützstellungen in den Flanken, Treppenniedergänge verbinden die Plattform mit Geschützkammern, in deren Wandnischen die Pulverfässer lagerten, mit Fluchtgängen, Vorratsräumen. Die unteren Geschütze nahmen den Wallgraben ins Visier, die oberen das Glacis und ergänzt wurde ihre Feuerkraft von der auf dem benachbarten „Kavalier“ postierten Artillerie, die weit ins Land feuern konnte.

 



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