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Reiseführer Nordzypern

Büyük Han

 

Die "große Herberge" -so die Übersetzung- ist eine der beiden noch erhaltenen Karawansereien von den ursprünglich acht im Zentrum Alt-Nicosias angesiedelten Rasthäusern. Reisende und Kaufleute fanden im Schutz ihrer Mauern für sich und die Reit- und Tragtiere sichere Unterkunft und bewachte Stauräume für die oft kostbaren Waren. Hier trafen zyprische Großhändler auf ihre Geschäftspartner aus den südlichen Provinzen des Osmanischen Reiches , darunter viele aus Alanya, was der Herberge zu dem Beinamen "Alanyalilar Han" (Herberge der Alanyoten) verhalf.

Büyük Han, Lefkosa

Eine Außenmauer der ehemaligen Karawanserei

Die große Herberge von Lefkosa entspricht in ihrer Auslegung dem klassischen Typus osmanischer "Stadthotels" der frühen Neuzeit, wie sie in großer Zahl in den europäischen und anatolischen Landesteilen des Reiches zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert entstanden. Mit der kleinen, im Zentrum des Innenhofs gelegenen Moschee (s.Foto) weist sie eine Besonderheit auf, für die es nur wenige Beispiele gibt, wie etwa die Hofmoschee des Koza Hans im nordwesttürkischen Bursa. Diese 1451 errichtete und vor einiger Zeit vortrefflich restaurierte Stadtherberge soll Vorbild für das Rasthaus in Zyperns Metropole gewesen sein. Auch Nicosias große Herberge erstrahlt wieder in altem Glanz. Nach scheinbar endlosen Reparaturarbeiten, die aus technischen, finanziellen und manch anderen Gründen immer wieder unterbrochen werden mussten, präsentiet sich der historische Bau seit 2002 als attraktive Bereicherung der Innenstadt. Restaurants haben sich etabliert, dazu eine Menge Shops und Werkstätten (Schwerpunkt: anspruchsvolle Souveniers), Veranstaltungen und Ausstellungen sind geplant.

Büyük Han in Lefkosa

Die einstigen Zellen beherbergen heute Shops und Werkstätten

"Stadthotel", Gefängnis, Denkmal

1572, nur kurze Zeit nach der osmanischen Machtübernahme, öffnete der Büyük Han den Reisenden und Karawanen seine Tore. Nach mehr als drei Jahrhunderten als gastfreundlicher Ort der Begegnung und des Austauschs, waren es die Engländer, welche auf der Suche nach einem "Central Prison", die große Herberge diesem etwas makabren neuen Verwendungszweck zuführten. Es wird berichtet, Zellen für 390 männliche und 18 weibliche Häftlinge seien damals eingerichtet worden, vier Zellen seien "for hospital purposes" reserviert gewesen, als Verpflegung sei nur Brot ausgeteilt worden, alles andere hätten die Angehörigen zusteuern müssen. 1893 nahm die islamische Stiftung Evkaf den alten Han unter ihre Obhut und ließ die Räume für wenig Geld an arme türkisch-zyprische Familien vermieten. Alte Fotos zeigen noch das bunte Durcheinander einer verschworenen Gemeinschaft von rund siebzig Familien, die damals in der Herberge Unterkunft gefunden hatten. Das Ende dieses pittoresken Provisoriums kam 1963, als die Bewohner den Han wegen Baufälligkeit verlassen mußten. Seit jenem Jahr, immer wieder unterbrochen durch Krieg, Unruhen und Geldmangel, wurde an der Restaurierung des Baus gearbeitet.

Die Anlage

Das aus schweren Holzbohlen gefertigte Tor hatte Ausmaße, die selbst einem hochbeladenen Kamel den Zugang erlaubten. Aus Sicherheitsgründen wurde das Tor zum Sonnenuntergang geschlossen und nur ein Durchschlupf, das sogenannte "Nadelöhr", blieb nachts geöffnet. Auch heute ist diese Minitür der einzige Durchlaß in die Herberge. Mitten im Hof steht die restaurierte kleine Moschee, getragen von zierlichen Marmorsäulen, die durch flache Spitzbögen verbunden sind. Zwischen ihnen erkennt man den kleinen, geschlossenen Brunnen (sadirvan) für die vorgeschriebenen rituellen Waschungen vor dem Gebet. Über zwei schmale Treppen erreichten die Gläubigen den Betraum.

Büyük Han in Lefkosa

Innenhof der Grossen Herberge

Aus dem Innenhof steigen zwei breite steinerne Außentreppen zu den Spitzbogengalerien hinauf, die den "Zimmerfluchten" vorgelagert sind. Kreuzgewölbe überdecken diesen oberen Umgang und tonnenartige Wölbungen die angrenzenden Gasträume, jeder ausgestattet mit Kamin und Fenster. Die Abzüge der Kamine enden in hohen, achteckigen Schornsteinen mit kegelförmigem Abschluß. In langer Reihe überragen sie die Außenfassade und verleihen so deren oberer Hälfte im Zusammenspiel mit Wasserspeiern und Fensteröffnungen ein markantes Aussehen. Dagegen zeigt sich der untere Teil der Außenwand kahl und abweisend wie Festungsgemäuer - und das aus gutem Grund, lagen doch dahinter die gut bestückten Speicher der Kaufleute.

Weitere Infos: Die Karawanserei (allg.Information)

 



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