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Brandy Sour

Brandy SourAllem Anschein nach gerät der erfrischende Longdrink, jüngst noch so etwas wie ein zyprisches Nationalgetränk, im Wettbewerb mit dem allgegenwärtigen Efes-Bier und importierten Weinen peu à peu ins Hintertreffen. Nur die alternde Gilde englischer "Residents" scheint ihm die Treue zu halten, was nicht verwundern kann, ist doch der Drink ein Spross britischer Kolonialherrlichkeit.
Die schleppende Nachfrage fördert nicht gerade das Können der Barkeeper vor Ort. Dabei ist ein gefühliges Händchen vonnöten, will man die Zutaten in die gewünschte Balance bringen. Und das beherrscht nur, wer an der richtigen Bar die nötige Praxis erworben hat. Zuviel Brandy (womöglich noch der falschen Provenienz) macht den Drink ungenießbar. Zu wenig Angostura Bitter? Dann fehlt ihm der gewisse "Kick". Zuviel davon und man erntet verzerrte, eben "bittere" Mienen. Überhaupt der Geschmack: Nirgendwo sonst als in Zyperns Norden während eines endlosen Sommers begeistert ein Brandy sour so rückhaltlos unsere Riechzellen und Geschmackssinne. Das liegt in erster Linie an den guten Zutaten wie dem "local brandy", der weich ist und aromatisch und am dickflüssigen "lemon syrup" aus den würzigen, einheimischen Zitronen. Die abendliche Wärme tut ein Übriges und die herüberwehenden Düfte aus der Restaurantküche geben den entspannten Augenblicken zwischen Sonnenuntergang und opulentem Dinner ihren unnachahmlichen Reiz.
Wieso eigentlich "sour" (auszusprechen: sauer)? Die Bar-Sprache kennzeichnet mit dem kurzen Wort jedes (Mix)Getränk auf Cognac-, Rum-, Gin-, Whiskey-, Brandybasis, dem Zitronensaft beigegeben wird, um einen leicht säuerlichen Geschmack zu erzielen. Berühmtestes Beispiel: Whiskey Sour.

Und Angostura?

Das ist eine besondere Geschichte, die im 19. Jahrhundert in Südamerika während der Befreiungskriege begann. Damals diente der deutsche Arzt Dr. Johann Gottlieb Benjamin Siegert dem Revolutionshelden Simon Bolivar in der venezolanischen Stadt Angostura, die heute Ciudad Bolivar heißt. Nebenbei experimentierte der Mediziner mit exotischen Pflanzen und erfand den nach der Stadt benannten Bitter. Ursprünglich als fiebersenkendes Medikament für die Soldaten im Urwald gedacht, fand seine interessante Würze auch bald in ganz anderen Kreisen Anklang. 1875 wechselte Siegert hinüber auf die Venezuela vorgelagerte Insel Trinidad, wo er in der Hauptstadt Port of Spain die Produktion von "Angostura Bitter" fortsetzte. Seine Erben betreiben noch heute das Geschäft vor Ort. Was Angostura zum führenden Bitter weltweit macht, seine feurige Mixtur, ist noch immer nicht vollständig entschlüsselt. Angeblich soll das Originalrezept, in vier Teile zerstückelt, in den Safes von vier New Yorker Banken ruhen. Doch einiges kam schon ans Licht: Bestandteile von Rum waren nachweisbar, von rotem Sandelholz, Ingwer, Kardamom, Gewürznelken, Limonenschale, Zimt, Enzianwurzel und natürlich Aroma- und Bitterstoffe aus der Rinde des Angosturabaumes ("Cusparia trifoliata").

Neben seiner Verwendung zur geschmacklichen Abrundung von Cocktails, hat Angostura Bitter noch immer eine gewisse Bedeutung als medizinisches Hausmittel, das gerne bei beginnenden fieberhaften Erkrankungen gereicht wird. Andere ihm nachgesagte Heilwirkungen beruhen wohl überwiegend auf Einbildung.

Zubereitung

Als erstes wird der Rand des Longdrinkglases mit einem Zitronenviertel abgerieben und in Zucker getaucht. Das verschafft dem Glas ein dekoratives Outfit, dem später noch ein paar schmückende Elemente hinzugefügt werden. Sodann wird "local brandy", der einheimische Weinbrand, eingefüllt (etwa 8 cl), gefolgt von ca. 2.5 cl des hoch zuckerhaltigen Zitronensirups. Ein Esslöffel reiner, frischgepreßter Zitronensaft und zwei bis höchstens fünf Tropfen Angostura Bitter sind die nächsten Zutaten. Jetzt kann das Glas mit Sodawasser aufgefüllt werden. Zwei Eiswürfel sorgen für die nötige Kühlung und dann muß der Drink sorgsam durchgerührt werden, damit sich alles gut miteinander vermengt. Nun noch eine Zitronenscheibe auf den Rand gesteckt und zwei, drei Blätter frische Minze auf dem Drink platziert, einen Strohhalm hinein und dann kann serviert werden.

 



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