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Ein Kampf von Sekunden

Denn das ist die nächste Stufe des Rituals: Beide Ringer stellen sich an die weißen Trennlinien in der Mitte des Rings, schauen sich starr an und stampfen wieder. Das psychologische Spiel beginnt. Der eine wendet sich abrupt ab, geht zurück zur Salzecke und reinigt noch ein wenig. Auch der andere erhebt sich, wendet dem Gegner den Rücken zu. Wieder treten sie an die Trennlinien, hocken sich hin, starren. Da die meisten Kämpfe nur Sekunden dauern, ist der optimale Beginn oft schon entscheidend. Darauf muss man sich konzentrieren, muss versuchen, die Taktik des Gegners einzuschätzen, muss den winzigsten Vorteil nutzen. Denn derjenige hat den Kampf verloren, der den Ringboden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen, selbst nur mit den Haaren, berührt oder den Ring verlässt. Wieder hocken die beiden an den Trennlinien einander gegenüber, starren sich an. Der eine senkt schon einmal eine Faust auf den Boden, bei Kampfbeginn müssen beide den Sand, wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, touchieren. Doch das Spiel ist noch längst nicht vorbei. Erst nach vier Minuten bekommt der Schiedsrichter ein Zeichen, er wendet den Zeremonialfächer, und nun gilt es.

Die Show beginnt!

Blitzschnell richten sich die beiden gewaltigen Körper auf. Prallen zusammen. Das tachi-ai. Beide versuchen den mawashi des Gegners zu greifen, um einen Wurf anzusetzen oder den anderen aus dem Ring zu schieben. Wie eine Primaballerina tanzt einer der Sumotori auf den Strohsäckchen, stemmt sich mit aller Kraft gegen den drohenden Schritt zurück, weicht dann zur Seite aus, wodurch sein Gegner die Balance verliert und von der Ringplattform dem Ringrichter direkt auf den Schoß stürzt.

Japan / Ringkampf

Traditionell waren achtundvierzig Techniken erlaubt, die später auf siebzig erweitert wurden. Doch davon bekommt man an einem solchen Sumo-Nachmittag nicht viel zu sehen. Jeder Ringer beherrscht nur drei bis vier Techniken mit solcher Präzision, dass er sie zum Einsatz bringt. Am häufigsten versuchen sich die Kontrahenten aus dem Ring zu schieben oder zu heben. Andere schlagen mit der flachen Hand auf den Oberkörper des Gegners.

Aus der Ferne unter dem Hallendach, wo einige Ausländer sich ein Anfeuerungsduell mit zwei angetrunkenen Einheimischen liefern, sehen die Kämpfe leicht, manchmal sogar elegant aus. Auch am Fernseher bekommt man vom wahren Geschehen wenig mit (In Europa werden Zusammenfassungen der Turniere einige Zeit später auf Eurosport gezeigt.). Wenn man jedoch das Geld für einen Platz in Ringnähe investiert, verschwindet dieser Eindruck sehr schnell.



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