
Lasst dicke Männer um mich
sein!
Eine Reise zu den japanischen Sumotori
Text und Fotos: Franz-Josef Krücker
Die Welt des Sumo-Ringens und seiner Protagonisten ist pures
fernöstliches Erleben. Nicht nur für Europäer, die
der Exotik des japanischen Nationalsports fasziniert gegenüber
stehen. Erst recht für die Japaner selbst, die „ihren“
Sport nicht allein als Darbietung oder Unterhaltung sehen. Vielmehr
nimmt Sumo einen kulturellen Status in der Tradition Japans ein,
und den Hauptdarstellern, den Sumotori, steht es zu, frenetisch
als Volkshelden gefeiert zu werden.
Um das alles verstehen zu können, muss man Japaner sein oder
– die nachfolgende Geschichte von Franz-Josef Krücker
lesen, ein Autor, der es mit Witz und Akribie versteht, die Bilder
des Sumo zu beschreiben.

Kindergemälde in Fukuoka
Herr Matsushita verfügt über eine eher schmächtige Figur. Selbst für japanische Verhältnisse. Korrekt vom stramm gekämmten Scheitel bis zur Socke fällt der pensionierte Beamte kaum auf. Das würde ihn auch eher verschrecken. Heute Morgen packt er sorgfältig die mit Tee gefüllte Thermoskanne sowie die in Plastikbehältern verstauten Klebreiskugeln und Sushi-Portionen in seine Einkaufstasche, schaut, ob seine Frau alle Geräte in der Küche abgeschaltet hat, löscht das Licht und geht zur Tür. Dort wartet Frau Matsushita im Mantel, während ihr Gatte einen hellblauen Anorak überzieht und sich dann auf der hohen Stufe niederlässt, um in die blank gewienerten Schuhe zu steigen. Sorgfältig verschließt Herr Matsushita die Haustür und geht neben seiner Frau die Straße hinunter.
Leben in Hiroshima – die Erinnerung vergeht nicht
Der Abmarsch von Zuhause ist gut geplant. Kaum ist das Paar an der Haltestelle angekommen, naht auch schon eine der etwas klapprigen Straßenbahnen. An diesem frühen Samstagmorgen gibt es genug Sitzplätze. Als die Bahn langsam eine leichte Steigung zu einer Brücke hinauffährt, blickt Herr Matsushita unwillkürlich hoch und auf der gegenüberliegenden Seite aus dem Fenster. Wie viele hundert Male hat er schon diese Stelle passiert? Und doch durchzuckt ihn immer wieder der Schmerz, wenn er das als Mahnmal stehen gelassene ausgebrannte Gebäude der Handelskammer von Hiroshima sieht. Das Leben in Hiroshima ist längst so alltäglich wie in jeder dieser großen, etwas gesichtslosen Industriestädte Japans, doch die Erinnerung vergeht nicht.
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