Pflaumen in jeder Variation
Wir flüchten per Mountainbike zum Museumsdorf Kitamura mit seinen reetgedeckten Häusern und über den steilen Konamitoge (5 Wellen)-Pass nach Obama an der Wakasa-Küste, wo wir an einem Kochkurs mit kichernden Schulmädchen teilnehmen, die ihr Englisch an uns ausprobieren. Prompt sind wir am nächsten Tag im lokalen Tagblatt zu bestaunen! Vielleicht sind Gaijin immer noch ein Ereignis in diesem Ort, denn am Abend wird sogar eine Party für uns gegeben - mit einer original japanischen Bluegrass-Band! Doch vorher besuchen wir ein 200 Jahre altes Haus und wohnen einer Teezeremonie bei.
Auch Japanerinnen fahren Fahrrad
Diese ästhetisch stilisierte Handlung reinigt den Geist, erklärt man uns. Pure Konzentration, die immer gleichen genau festgelegten Bewegungen, die formelhaft vorgetragenen Sätze zentrieren und werfen einen zurück auf sich selbst. Die Grundprinzipien des komplexen Ablaufs sind Harmonie, Stille, Respekt und Reinheit. Dabei sitzt man am Boden auf den Tatami-Matten auf untergeschlagenen Füßen. Diese Art zu sitzen und die Form einer Pyramide einzunehmen bedeute, die kosmische Energie anzuzapfen, erklärt die Professorin. Eine ihrer besten Schülerinnen bereitet derweil den Tee zu. Der Blick fällt hinter der Schülerin hinaus durch eine Scheibe auf einen liebevoll gepflegten Moosgarten.
Das Essen als Kunstwerk
Die Wakasa-Küste ist ein spektakulärer Küstenstreifen mit dramatischen Szenerien, tief eingeschnittenen Tälern mit verwunschen wirkenden, nebelverhangenen Hügeln. Fischerboote dümpeln in Häfen, ältere Herren breiten ihre Netze aus. Nebenan ist Fischmarkt, sogar Fischchips gibt es hier, und ich wage mich einfach hinein in ein Fischrestaurant und esse, ich weiß nicht, was.
Bei bestem Wetter und leichter Brise vom Meer her radeln wir die Küste
entlang. Affen beobachten uns von einem Hügel aus. Schulkinder in
Uniformen winken: „Konnichiwa!“ und fragen „How old are
you?“. Ganz normal in Japan, diese Frage. Man muss sein Gegenüber
schließlich richtig einordnen können. Und ich muss alle möglichen
Kleinigkeiten probieren: Saure, salzige, süße, fischige. Was
es ist? Ich verstehe die Antwort nicht, muss sie aber nachsprechen, was
allgemeine Heiterkeit auslöst. „Dozo, dozo!“ Bitte! Rufen
sie mir zu. Und dann folgt das obligatorische Foto mit den zum Friedenszeichen
gespreizten Fingern. „Cheese!“, sagen die Mädchen. Probieren
muss ich auch bei einem Pflaumen-Laden, denn Pflaumen sind die Spezialität
der Gegend: Eingelegte und getrocknete Pflaumen, Pflaumensaft und Pflaumenwein.
Ob ich welche möchte? Hai, hai! Ja, ja, sage ich. Und: Arigato! Die
Tochter der Verkäuferin studiert gerade in Freiburg. Freiburg ist
etwas, das sich anhört wie Faibu, doch am Ende verstehe ich.
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