Von Dublin in die Wicklow Mountains
Da die Dart (Vorortbahn) keine Fahrräder mitnimmt, radeln wir nach Bray am Wasser entlang. Die Außenbezirke sind anfangs nicht sehr ansehnlich, dann aber fährt man schön an der Dublin Bay entlang. Bray, bekannt geworden durch den Film "The Miracle", atmet immer noch den Charakter eines ehemaligen englischen Seebades. Heute beherrschen an der Uferstraße Spielhallen und Pubs die Szene, ein Spaziergang am Strand aber lohnt immer noch, ebenso wie der Weg am Ende des Ortes den Hügel hinauf, wo ein toller Blick auf Meer und Ort zu erhaschen ist.
Weiter mit dem Rad
nach Powerscourt Gardens in die Ausläufer der Wicklow-Mountains.
Hier bekommen wir einen ersten Eindruck vom sportlichen Charakter der
Tour. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht, mit genügend Pausen kein
Problem. Sonntags herrscht heftiger Ausflugsverkehr, viele Dubliner
schätzen die nahegelegene Mittelgebirgslandschaft zum Picknick und Wandern.
Die "Wicklows" sind in der Tat zauberhaft!
Powerscourt Gardens ist eine der schönsten Garten- und Schloßanlagen
Europas, terrassiert angelegt bereits erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts.
Das Schloß brannte 1974 aus und wurde Mitte der 90er wieder teilrenoviert.

Der Besucher findet
eine eindrucksvolle Multimedia-Ausstellung zur Geschichte der Anlage
vor. Im Rahmen der Modernisierung entstanden ein geräumiges Restaurant
und große Einkaufsflächen mit allem, was das Touristenherz begehrt.
Auch das Teehaus außerhalb der alten Parkmauer wurde wieder einladend
hergestellt. Ein Muß ist der Rundgang durch den Garten. Eindrucksvoll
auch der Baumbestand der Allee, die zum Garten hinführt.
Weiter geht es nach Laragh, Ausgangsort vieler Wanderungen in
den Wicklow Mountains. Der Ort zeigt sich umtriebig, aber nicht ungemütlich.
Wir finden das B&B "Oak View" unterhalb der Straße, deshalb
sehr ruhig gelegen; es bietet komfortable Zimmer und sehr gutes Frühstück,
und (wie fast immer) auskunftsfreudige und über ihre Region gut informierte
Wirtsleute.
Wir
gehen ein Stück des Wicklow Walks auf den 6oo m hohen Mullacor Mountain,
eine Wanderung im Nebel und gleichwohl eindrucksvoll. Ein weiterer
einstündiger Fußweg bringt uns anderntags nach Glendalough,
einer der besterhaltenen frühchristlichen Klostersiedlungen Irlands.
Das Ensemble von Kathedrale, Rundturm, Priesterhaus und St.Kevin's Kitchen liegt phantastisch in ein Tal eingebettet, ohne Frage ein Ort auch zum längeren Verweilen. Der Friedhof dient auch heute noch Bestattungen, Geschichte und Gegenwart sind nicht auseinandergerissen.
Wir radeln die 14 km nach Rathdrum, wo wir durch den Avondale Forest Park wandern. Im Park steht das Geburtshaus von Charles Stewart Parnell, der von 1875 bis 1890 vom Englischen Parlament aus für die irische Unabhängigkeit kämpfte. Hier findet jährlich eine Summer School statt, die Aspekte irischer Geschichte beleuchtet. Jahrhunderte alte Bäume, z.B. purple beech (Rotbuche), Yew (Eibe), und Birch (Birke) machen den einstündigen Rundgang durch den Park zu einem Erlebnis. So mag Irland früher weithin ausgesehen haben! Einen schönen Abschluß kann der Besuch des Tearooms darstellen, an dessen Wänden eindrucksvolle politische Karikaturen der englisch-irischen Geschichte aus der Zeitschrift Vanity Fair hängen , insbesondere aus der Ära der Home Rule Bewegung.