Reisemagazin schwarzaufweiss

Carrick-on-Shannon markiert den nördlichsten Punkt auf unserer einwöchigen Tour. Nun winkt der – hoffentlich sonnigere – Süden. Wir folgen dem Flusslauf zurück zum Lough Ree, der sich diesmal fast schon aalglatt gibt, was uns nach dem Rüttelmanöver der Hinfahrt durchaus recht ist.

Direkt vor uns schwimmt ein Kamikaze-Schwan. Mit aller Seelenruhe guckt er zu, wie unser Boot immer näher auf ihn zukommt. Erst als das die „Achadh“ vielleicht noch 20, 25 Meter von ihm entfernt ist, entscheidet er sich, mit zwei, drei Flügelschlägen doch noch in Sicherheit zu flattern, nicht aber ohne uns vorwurfsvoll hinterher zu gucken.

Irland - Kirche St. Peter & Paul in Athlone

Kirche St. Peter & Paul

Unser nächstes Ziel ist Athlone (5), das fast genau den geografischen Mittelpunkt Irlands markiert. Die Attraktionen der 8.000-Seelen-Gemeinde liegen alle dicht bei dicht. Die Kirche St. Peter & Paul zeigt mit ihrem Hauptportal zur einst stolzen Burg. Direkt angrenzend präsentiert die Luan Gallery zeitgenössische Kunst. Athlones winziges Kneipenviertel im Schatten des alt-ehrwürdigen Castles lockt die Feierlustigen gleich scharenweise an. Ob im Snug oder im Castle Inn – überall herrschen drangvolle Enge und beste Stimmung.

Irland - Castle in Athlone

Castle

Fast schon ein Muss ist der Besuch von Sean’s Bar, dem ältesten Pub Irlands. Seit dem Jahre 900 fließt hier das Bier in Strömen. Scheinbar so sehr, dass der geflieste Boden täglich neu mit Sägespänen überschüttet wird, um die verschütteten Gerstensaftströme einzudämmen. Und wie in fast allen Traditionshäusern des Landes erklingt hier allabendlich Livemusik.

Irland - Sean's Bar in Athlone

Perfekterweise haben wir einen Liegeplatz direkt am Hinterausgang von Sean’s Bar ergattert. Es sind nur 20 Schritte bis zum Guinness und zum Craic – dem irischen Wort für großen Spaß. Leider ist der Spaß in dem historischen Pub an diesem Tag noch lange nicht vorbei. Auch nicht lange nach Mitternacht, als wir längst in der Koje liegen. Als die Musik, das Gegröle und Gelächter endlich verstummen, beginnen die Möwen mit ihrem frühmorgendlichen Geschrei. Guter Schlaf wird einfach überbewertet.

Irland - Klosterruine bei Clonmacnoise

Dafür liegen wir direkt in der Polposition, um als erstes Boot am nächsten Morgen durch die Schleuse stromabwärts zu fahren. Wir folgen den unzähligen Windungen des Shannon durch eine weite, flache Ebene nach Clonmacnoise (6). Nach Tagen auf dem Boot und in verträumten Dörfern oder Kleinstädten wirkt das im Jahre 545 vom Heiligen Ciaron gegründete Clonmacnoise faszinierend und schockierend zugleich. Faszinierend ob der imposanten Klosterruinen und Hochkreuze direkt am Shannon-Ufer, die noch heute von der einstigen Bedeutung als geistliches Zentrums Irlands zeugen; schockierend wegen der Touristenmenge, die busladungsweise einfällt und ein Fotografieren ohne Arme, Beine und Köpfe vor der Linse quasi unmöglich macht.

Irland - Steinkreuz bei Clonmacnoise

Auf der Fahrt weiter gen Süden passieren wir Shannonbridge (7), dessen markante Bogenbrücke aus dem Jahre 1757 bei der Namensgebung Pate stand. Am Westufer sorgt das Old Fort für einen weiteren Blickfang, während am Ostufer das weithin sichtbare Torf-Kraftwerk die Landschaft verschandelt. Beliebter Anlaufpunkt ist hier Lukers Pub, dessen Tradition bis in das 18. Jahrhundert zurückgeht.

Weiter geht es nach Banagher (8). Die mehr als 160 Jahre alte Shannon-Brücke mit ihren sieben engen Bögen trennt die Grafschaften Offaly und Galway. Direkt am Ufer erheben sich ein gut erhaltener Martello Turm und die Ruine von Cromwell’s Castle als stumme Zeugen einer langen Vergangenheit. Am Ufer der Marina steht der „Gourmet Food Van“, ein mobiler Imbissstand, der für sein gutes Preis-Leistungsverhältniss von Freizeitkapitänen geschätzt wird.

Irland - Cromwell’s Castle in Banagher

Cromwell’s Castle

Das Städtchen selber hat schon bessere Zeiten gesehen. Davon zeugen leer stehende Ladenzeilen und Hotels. Gleichwohl findet sich an der Hauptstraße von Banagher mit dem JJ Houghs ein Kult-Pub, der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Hinter der weiß getünchten Fassaden mit den rot lackierten Fensterläden öffnet sich die Tür zu einer Kneipe, deren Inneneinrichtung zum großen Teil aus dem Sperrmüll stammen könnte. Ein Sammelsurium aus unterschiedlichen Stühlen, die nicht unbedingt vertrauenswürdig ausschauen, ergänzt die Sammlung von kniehohen Hockern. Die Wände sind über und über voll mit Bildern, Visitenkarten, ausgestopften Köpfen toter Tiere und allerlei Kuriositäten.

Irland - JJ Houghs Pub in Banagher

Dafür sorgt hier (fast) abendlich eine zweibeiniges Kuriosum für beste Stimmung: John Bracken, in Banagher und Umgebung bekannt wie ein bunter Hund, gibt irische Lieder zum Besten. Und der in Ehren ergraute John ist selber ein Unikum. Seine Kappe ist tief ins Gesicht gezogen, sein zu langes Resthaar quillt wild unter der Krempe hervor. Ein bisschen wirkt er wie Professor Hastig. Ein gräulicher Schnäuzer ziert die Oberlippe und lenkt ein wenig davon ab, dass die Kauleiste des passionierten Musikers doch große Lücken aufweist. Oben fehlen ihm sämtliche Schneidezähne. Nach einer Knie- und Hüft-Operation kann er sich zudem nur mühsam auf den Beinen halten, gleichwohl ist er mit Feuereifer dabei – begleitet am Piano von einer älteren Dame mit vollem Haar und Dutt.

Am nächsten Morgen heißt es, Abschied zu nehmen und den Rückweg Richtung Killinure Point anzutreten. Eine Fahrt, die abermals zum Geduldsspiel wird. Denn der „Apritober“ hält weiter an. Gemeint ist jene Mischung aus Aprilwetter garniert mit zum Teil üblen Herbststürmen und dem Effekt, dass das Boot nachts so durchgeschüttelt wird, dass an Schlaf wieder einmal kaum zu denken ist.

Irland - Shannon

Auch der Versuch, auf der Rückfahrt erneut in Clonmacnoise anzulegen, scheitert kläglich. Rund 30 Minuten lang versuchen wir es wieder und wieder. Doch der Wind drückt uns stets vom Steg weg. Jede neue Annäherungstaktik ist zum Scheitern verurteilt. Na ja, was soll´s? Wir waren ja schon auf dem Hinweg in Clonmacnoise. Und nach einer Woche auf dem Shannon kann so etwas einen Hobby-Seemann nun wirklich nicht (mehr) erschüttern.

 

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Reiseführer Irland

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