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Die Westküste – Gaeltacht, Surfstrand und turmhohe Klippen

Auf meiner mittlerweile vierten Irlandreise steuere ich das Auto zielstrebig an die vielgeliebte und durch beste Studentenerinnerungen geprägte Westküste, die wohl das typischste Bild Irlands vermittelt. Westport hat sich mit seinen nahegelegenen Surf- und Badestränden und dem heiligen Berg Croagh Patrick einen festen Platz im Herzen der einheimischen und ausländischen Urlauber erobert. Als einzige geplante Stadt der Insel zeigen sich die zwei Hauptverkehrsstraßen bunt, besucherfreundlich und mit Blumen gesäumt. Statuen schmücken die Hügelkämme, der Weg zu den nahegelegenen Quays bietet neben schönen Blicken auf den 775 m hohen Berg die Aussicht auf ein bezauberndes Fleckchen Erde mit schnuckeligen Lokalen an der Uferpromenade.

Nach einer Stärkung suchen viele die Herausforderung, die um die Jahrhundertwende errichtete Kapelle am Gipfel des Croagh Patrick zu besteigen. Von hier aus soll der irische Nationalheilige nach 40 Fastentagen eine Glocke geläutet und dann ins Meer geworfen haben. Alles kriechende Getier der Insel sei diesem Klang gefolgt. Tatsächlich gibt es in Irland bis heute keine Schlangen …

Irland / Croagh Patrick / Monument

Monument der Hungersnot vor der Kulisse des Croagh Patrick

Berühmte Pubs

Südlich von Westport passieren wir Connemaras sanfte Hügel und Galway, Universitätsstadt und selbsternannte Metropole der Gaeltacht, der gälischen Sprache und Kultur. Etwas weiter lockt ein winziger Ort, dem seit jeher der Ruf der Musikalität vorauseilt. Vor elf Jahren genoss ich die langen Spaziergänge zu den Klippen von Moher, die Bootsfahrten auf die nahegelegenen Aran Islands und nicht zuletzt das beschauliche Örtchen Doolin mit den drei berühmten Pubs O’Connor’s, McGann’s und McDermot’s.

Irland / O'Connor's Pub

O’Connor’s Pub

Nie saß man länger als zehn Minuten am Kneipentisch, bevor der erste Einheimische ein Gespräch anfing. Die sprichwörtliche Herzlichkeit war hier jederzeit spürbar. Im Jahre 2003 sieht es anders aus: Geschäftig zieht man an der Rezeption des Hostels meine Kreditkarte durch die Apparatur, längst herrschen auch hier Internet und modernste Technologien. Zugenagelt mit Reklameschildern wirken die Auffahrten, die einst traditionell weißen Reetdach-Kotten sind längst dem Farbwahn zum Opfer gefallen und beherbergen nun Souvenirs, Kitsch und Irische Folklore im 10er-Pack.

Irland / Häuser

Fisher Street Houses

Irish Stew, vergangene Sessions und ein Golfplatz

Schon um 17.00 Uhr ist der Pub brechendvoll und wirbt mit „Original Irish Stew“, dem Nationaleintopf aus Lammfleisch und Kartoffeln. Ab 21.00 Uhr ist hier allabendlich Live-Musik zu hören. Allerdings sind die Musiker bestellt und offene „Sessions“, bei denen sich einheimische Sangesfreudige spontan zu einem Stelldichein an der Theke trafen, gehören wohl der Vergangenheit an. Dafür lockt Doolin nun mit einem Golfplatz, der den spektakulären Blick auf die Klippen und den Wachturm ermöglicht. Überhaupt scheinen Golf- oder Parkplätze wie Pilze aus den Wiesen zu schießen, denn selbst die faszinierenden, 300m tiefen „Cliffs of Moher“ können nur noch über einen 4 € teuren Stellplatz erreicht werden.

Irland / Cliffs of Moher

Cliffs of Moher – zeitlose Schönheit an der Küste Clares

In herrlichstem Sonnenschein setzen wir unsere Fahrt fort, besuchen das nahegelegene Dunguaire Castle und staunen über die Poulnabrone Dolmen, Grabstätten aus der Eisenzeit.

Irland / Dunguaire Castle

Dunguaire Castle – eine der unzähligen Burgen

Irlands Ruinen und gut erhaltene Festungen der englischen Invasion unter Cromwell säumen die Küste, die auf einer Breite von 5 km ins Land hinein ausschließlich von den Eroberern bewohnt werden durfte. Kein Wunder also, dass die Insulaner nie ein Fischervolk wurden. Meeresfrüchte sind eine eher neumodische Bereicherung des Speiseplans wie des Exportgeschäftes.

Dingle und Kerry – Kutschen, Kameras und karges Land

Die gesamte Westküste scheint ein Schild vor sich herzutragen: Vorsicht – frisch gestrichen! Neben den berühmten „40 shades of green“ leuchten uns von den Hausfassaden Gelb- und Rottöne, Pink und Orange entgegen. Die Fähre von Killimer setzt in einer halben Stunde über Richtung Tralee zum Moormuseum „Day in the Bog“, das der Geschichte der Torfstecher nachspürt. Noch heute liegt vielerorts der Geruch nach den mit Torf geheizten Öfen in der Luft, der im Sommer in stetem Wechsel mit dem lieblichen Duft von Waldmeister konkurriert.

Das Kerry County Museum in der Ashe Memorial Hall wendet sich an Liebhaber des Mittelalters: Man schlendert durch die nachgestellten Gassen Tralees, erlebt Szenen eines mittelalterlichen Marktes, muss so manchem Nachttopf ausweichen und leidet am Schluss mit dem Burgherren, der sich entschloss, seine Stadt eher in Schutt und Asche zu legen als sie den Engländern in die Hände fallen zu lassen.

Irland / Kerry County Museum

Tralee „History of Kerry County“

Dem Ring of Kerry aus dem Weg

In Anbetracht der Tatsache, dass der Ring of Kerry die wohl meistbefahrene Route der Insel ist, gehen wir den Touristenbussen auf diesen einspurigen und von Hecken eng begrenzten Pfaden lieber aus dem Weg und wählen die Rundreise um die weniger bekannte Dingle Halbinsel. Auf dem Weg trotzt das Dunbeg Ringfort schon seit 500 vor Christus dem schneidenden Wind, so genannte Bienenhaus-Hütten harren schon seit 2000 v. Chr. an dieser Stelle aus.

Irland / Dunbeg Ringfort

Dunbeg Ringfort

Im Jahre 1953 gaben die letzten Hartnäckigen der Blasket Inseln auf und wanderten zum Festland ab. Windzerzauste Schafe und Kühe, die die kleinen kurvigen Straßen kreuzen, zwingen uns zu gewagten Ausweichmanövern.

Irland / Slea Head

Aussicht von Slea Head über die Blasket Islands

Nicht umsonst zieht es Reisende aus aller Welt an dieses herrliche Fleckchen Erde. Clare, Dingle und Kerry repräsentieren nun einmal unberührt von Aufschwung und Technik den sattgrünen Traum voller melancholischer Schönheit.

Irland / Landschaft

Genügsame Esel und typische Steinmauergrenzen der Dingle-Halbinsel

Jaunting Cars sind Pferdekutschen!

Den südlich gelegenen Killarney National Park bereist man am besten mit einer der Pferdekutschen, die hier „jaunting cars“ genannt werden. Die N71 säumt ein Stück verwunschenen Waldes, der links der Straße zum Torc Wasserfall führt und spontan den Glauben an die sagenumwobenen kleinen Leprechauns wiedererweckt.

Irland / Wasserfall

Torc Wasserfall

Auf dem Weg zur Bantry Bay mit dem fantastischen Ausblick über den Mizen Head überrascht uns der Regen nach einigen wirklich warmen Tagen und so nutzen wir die Gelegenheit, uns in Skibbereen im Heritage Centre die Ausstellung zur Hungersnot anzusehen. Die Brücke im Ort ist nach John F. Kennedy benannt, dessen Urgroßeltern Irland von dieser Hafenstadt aus Richtung Amerika verließen.

Irland / Dromberg  Stone Circle

Drombeg Stone Circle

An der Südküste dann ein weiteres Zeichen keltischer Kultur: Der Drombeg Stone Circle mit seiner exakt auf den Sonnenaufgang des 21. Dezember ausgerichteten Anlage wirkt noch immer seltsam mystisch und lebendig. Blumen, Früchte und kleine Gaben in seiner Mitte zeigen, dass nicht nur wir dem Zauber dieser alten Kultur erlegen sind.

 

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