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Ein Hoch auf Arthur!

Dublin: Guinness feierte 250-jähriges Bestehen 

Text und Fotos: Hilke Maunder

Es ist die „schwarze Seele Irlands“: das Guinness.  In seiner 250-jährigen Geschichte wurde das dunkle Bier mit der weißen Krone zum nationalen Symbol der Insel. Am 24. September 2009 hieß es daher nicht nur in Irland, sondern in allen Irish Pubs weltweit: ein Hoch auf Arthur Guinness! Der Geburtstag des Firmengründers am „Arthur's Day“ markierte den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Firmenjubiläum.

Irland - Dublin - klassisches Zapfhahntrio in einer irischen Kneipe
Klassisches Zapfhahntrio in einer irischen Kneipe

Arthur Guinness zeigte kluge Voraussicht, als er vor 250 Jahren den Pachtvertrag des St. James’s Gate-Geländes zum Preis von 45 Pfund mit einer Laufzeit von 9.000 Jahren unterzeichnete. Guinness feierte nun seine überaus erfolgreiche Braugeschichte des „Black Stuff“ mit Veranstaltungen in aller Welt.

In Anlehnung an das soziale Engagement von Arthur Guinness, der noch heute von den Iren liebevoll „Uncle Arthur“ genannt wird, dienten die Jubiläumsfeierlichkeiten auch einem guten Zweck. Um die sozialen Leistungen von Arthur Guinness und seiner Familie zu würdigen und fortzuführen, wurde der „Arthur Guinness Fund“ ins Leben gerufen. Ziel der Stiftung ist es, bedürftige Menschen gezielt zu unterstützen und zu fördern. Mit fünf Millionen irischen Pfund legt die Guinness Brauerei den finanziellen Grundstein für den Arthur Guinness Fund, der seit September 2009 zur Verfügung steht. Weitere 2,5 Millionen Euro sollen über eine Unterschriften-Aktion zusammenkommen. In ganz Irland wurden dazu in den Pubs Unterschriften von den Gästen gesammelt – für jede spendet Guinness 2,50 Euro. Das Ziel sind eine Million Unterschriften.

Irland - Dublin - Guinness Storehouse
Guinness Storehouse

Das Guinness Storehouse, mit mehr als einer Millionen Besuchern jährlich Dublins meistbesuchte Touristenattraktion, widmete anlässlich des Jubiläums dem Gerstensaft ein eigenes Stockwerk mit unzähligen neuen Attraktionen. Doch bereits die Architektur des im Jahr 2000 eingeweihten Storehouse, einst die Fermentierungsanlage der Brauerei, ist einzigartig. Der 1904 errichtete Bau ahmt einen Baustil nach, der in Chicago zur Verwendung kam, nachdem sich dort ein schweres Erdbeben ereignet hat: Als tragendes Element hält eine Stahlkonstruktion das Guinness Storehouse im Innersten zusammen und macht es äußerst stabil. Im Querschnitt sieht das Gebäude aus wie ein Glas Guinness – unten ist es etwas schmaler und weitet sich nach oben hin wie ein Glas. Auch farblich entspricht der Bau einem perfekt gefüllten Guinness-Glas: Der Museumsbereich ist dunkel wie das Getränk selbst, die Dachbar hell wie dessen Schaumkrone.

Irland - Dublin - Guinness Storehouse
Stahlkonstruktion im Guinness Storehouse

Besucher können sich auf einer Tour durch das Erlebnismuseum auf sechs Etagen über Zutaten und Brauprozesse informieren, die unterschiedlichen Geschmacksnuancen selbst erschmecken oder sich vom Profi in die Geheimnisse des richtigen Bierzapfens einführen lassen. Ein Guinness wird nicht einfach ins Glas gegossen, sondern in zwei Etappen gezapft. Denn der dunkle Gerstensaft ist kein Bier, sondern ein „stout“, gebraut aus Wasser, Gerste, Hopfen, Hefe – und ohne Malz. Echte Profis setzen aber noch einen oben drauf: Mit dem Zapfhahn malen sie ein irisches Kleeblatt in den frischen, festen Schaum.

Irland - Dublin - Besucherin im Guinness Storehouse
Besucherin im Guinness Storehouse

Wie lecker mit Guinness gekocht werden kann, zeigt Guinness-Küchenchef Justin O’Connor beim Showkochen: Zur Gemüsesuppe kommt eine halbes Guinness aus der Dose, und auch der Miesmuschel gefällt’s, wenn der Sud nicht aus Weißwein, sondern dunklem Bier besteht. Ob Rinderfilet oder Eintopf, Pfannkuchen, Hummer oder Austern – ein Schuss Guinness, meint Justin, muss sein, und schiebt sich einen Riegel schwarzer Guinness-Schokolade in den Mund.

Die Zeitreise durch die Brauereigeschichte endet in der rundum verglasten Gravity Bar – mit einem kostenlosen Pint Guinness und einem 360 Grad-Panorama auf die irische Hauptstadt. Aus dem dichten Grün des Phoenix-Parks, mit einer Fläche von 700 Hektar Europas größter Stadtpark, ragt schlank der Obelisk des Wellington-Denkmals empor. Ein zweites Türmchen ragt gen Osten aus dem Häusermeer: die grüne Kuppel von St. Patrick’s Tower, eigentlich eine alte Holländermühle, die jedoch ihre vier Flügel verloren hat. Als Millenniumsprojekt wurde 2003 eine dritte Spitze errichtet: The Spire, eine 120 m hohe Nadel an der Einkaufsmeile O’Connell Street, die die Einheimischen „Spike“ getauft haben.

Irland - Dublin - Kneipenviertel Temple Bar
Kneipenviertel Temple Bar

Südlich des Liffey erstreckt sich bis zur Dame Street das mit EU-Mitteln hoch sanierte Viertel, wo sich Dublin von früh bis spät zum Guinness trifft: Temple Bar. Pub an Pub säumt die holprigen Kopfsteingassen, Gaslaternen spenden fahles Licht. Iren mit zerfurchten Gesicht und Guinness auf dem Tisch zupfen auf ihren Gitarren Irish Folk, der Verstärker versteckt sich unter dem Kneipentisch. Mit ihren orange-weiß-grünen Fahnen, dem Menschengedränge, der Guinness-Reklame und den sichtlich angeheiterten Iren, die hier zur Höchstform auflaufen, erfüllen die Pubs jedes Klischee, sind teuer, als Touristenfallen verschrien – und doch so beliebt wie einst. Glas für Glas wandert über die Theke, das Pint für fast fünf Pfund.

Irland - Dublin - Live-Musik in einer Kneipe in Temple Bar
Live-Musik in einer Kneipe in Temple Bar

Zu jedem echten irischen Pub gehört auch das Bild der irischen Harfe. Wie das Guinness-Wahrzeichen zum Staatssymbol wurde, verrät Andrew Williams während der Führung durch das Guinness Storehouse. 1923 habe die Regierung auf der Suche nach einem Nationalsymbol für das junge Irland bei Guinness anfragte, ob sie die Harfe aus dem Firmensignum als Irlandlogo übernehmen könne. Der Brauereiriese wollte Geld haben, der junge Staat besaß keines – und kam auf den Trick, die Harfe spiegelverkehrt abzubilden. Seitdem haben Irland und der Bierbrauer ein fast identisches Markenzeichen. Oder, wie Andrew es sagt: Guinness ist Irland.

Infos

Guinness Storehouse, St James's Gate, The Liberties, Dublin, geöffnet: Januar – März tgl. 9.30-17.00, April-September tgl. 9.30-19.00, Oktober – Dezember tgl. 9.30-17.00 Uhr, www.guinness-storehouse.com

Website der Autorin: www.maunder.de

 

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