Das irische Rom
Eine Stadt im Zeichen von St. Patrick und Gullivers Reisen
Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab

Kein geringer als der heilige Patrick soll Armagh ausgesucht haben, um es im Jahr 445 zum Zentrum des Christentums zu machen. In aller Bescheidenheit nannte er die Stadt "The Irish Rome", das irische Rom. Gemäß Überlieferung errichtete er auf dem Drum Saileach Hill (Seichter Grat) eine Kirche aus Stein. Heute steht hier die protestantische St. Patrick´s Cathedral. Die Bedeutung Armaghs als religiöses Zentrum unterstreicht die Tatsache, dass die Stadt auf der Grünen Insel noch heute Sitz sowohl des katholischen als auch des protestantischen Erzbischofs von Irland ist.

Besucher sind willkommen
Der irische Name der Stadt lautet "Ard Macha", was soviel heißt wie "Machas Hügel". Er erinnert an die legendäre Königin Macha, die hier 600 vor Christus residierte. Die Reste ihrer Festung, des Navan Forts, sind auf einem der sieben Hügel der Stadt zu sehen. Der Anspruch Armaghs, eine der ältesten besiedelten Flecken in Irland zu sein, wird durch die Tatsache unterstrichen, dass es am Moyry Pass, einer der historischen Straßen der Insel liegt. Diese soll bereits 300 vor Christus den Süden der Insel via Tara mit dem Norden verbunden haben.
Könige, Gelehrte und Pilger
Nach St. Patrick wuchs Armagh zu einer großen Klostergemeinschaft
heran. Diese verfügte auch über eine der angesehensten Schreibstuben
des Landes, aus der mit dem "Book of Armagh" eine der schönsten
illustrierten Handschriften Irlands stammt. Sie wird heute im Trinity College
in Dublin aufbewahrt. Könige, Gelehrte und Pilger suchten das Kloster
auf - und in ihrem Gefolge kamen die Wikinger, die zwischen dem fünften
und zwölften Jahrhundert Armagh immer wieder plünderten und brandschatzten.
Insgesamt wurde die Kirche nicht weniger als siebzehnmal zerstört
und wieder aufgebaut. Wobei die Zahl vielleicht sogar untertrieben ist.
Denn in historischen Dokumenten ist von 26 Bränden und Plünderungen
allein bis ins 17. Jahrhundert die Rede.
Im Jahr 1014 wurde an der nördlichen Seite der Kirche der Hochkönig
Brian Ború, der Irland von den Wikingern befreite, begraben. Eine
Tafel an der Mauer des Querschiffs der St. Patrick´s Cathedral
erinnert noch heute an den großen Stammesfürsten. Weitere
Besonderheiten im Inneren der Kathedrale sind der Tandragee-Götze,
die Granitfigur eines irischen Kriegers, die vermutlich aus keltischen
Zeiten stammt, sowie ein keltisches Kreuz aus dem elften Jahrhundert.
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