
Großer Sprung am großen Strom
Am Yangzi katapultiert sich China in die Zukunft
Text und Fotos: Volker Mehnert
China befindet sich Aufbruch: Städte werden radikal umgestaltet, die Wirtschaft modernisiert, die Menschen aufs 21. Jahrhundert eingeschworen. Und der Flusslauf des Yangzi, hierzulande vielen noch als Jangtsekiang geläufig, ist der zentrale Verkehrsweg für den Umbau einer ganzen Nation. Vor allem im Dunstkreis der Mega-Metropole Shanghai präsentiert sich Chinas längster Fluss als zentrale Arterie eines phänomenalen Wirtschaftsbooms. Eine Tour auf dem großen Strom wird spätestens zur Weltausstellung 2010 in Shanghai eine der großen Besucherattraktionen sein. Unser Autor hat die Fahrt schon jetzt unternommen und berichtet vom betriebsamsten Schiffsknotenpunkt der Welt und vom rasanten Wandel in China.
Nachmittags um zwei klettern die chinesischen Lotsen an Bord. Wir werden sie brauchen. Kurz darauf, als das Schiff in den Mündungstrichter des Yangzi einfährt, gibt der Kapitän der „Silver Shadow“ einen Hinweis an die Passagiere: „Die nächsten zwei Stunden wird der Fluss noch sehr breit sein, dann verengt er sich, und wir werden viel Schiffsverkehr erleben. Und wenn ich sage viel, dann meine ich viel. Das wird hochinteressant für Sie, weniger allerdings für mich.“

Zwischenstopp während einer aufregenden
Schiffsreise
Und dann läuft in der Tat ein Schauspiel ab, das auf der Welt einmalig ist. Es zeigt, dass Navigation in heutiger Zeit noch ein atemberaubendes Erlebnis sein kann und dass sich auch Kreuzfahrten auf einem weißen Passagierschiff nicht unbedingt in der Monotonie von hoher See und internationalen Touristen-Piers erschöpfen müssen.
Ein maritimes Gewirr und Gewusel
Der Schiffsverkehr auf dem Yangzi ist dicht, wird immer dichter, und ist zwischenzeitlich geradezu irrwitzig dicht. Dies gilt vor allem für den Abschnitt von der Mündung im Ostchinesischen Meer über Nantong, Shanghai und Zhenjiang bis hinauf nach Nanjing. Hier trifft der Flussverkehr auf die Hochseeschifffahrt; keine Frage: Es hat sich an dieser Stelle des Yangzi der hektischste Schifffahrtsknoten der Welt herausgebildet.

Yangzi: Chinas Highway für Schiffe
Frachter aus aller Herren Länder und riesige Öltanker fahren im Abstand von einigen hundert Metern wie in einer Kolonne, dazwischen tummeln sich hochmoderne Containerschiffe und verrostete Seelenverkäufer, kleine Fischerboote und schwer beladene Schleppkähne. Nur Dschunken, die klassischen chinesischen Wasserfahrzeuge, die der eine oder andere eigentlich auch erwartet hat, sind nirgendwo zu sehen.
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